Matt Adams – MAD-Humor aus Australien

LEXIKON

Alfred E. Neumann

9/20/20264 min read

Harry Potter, australische Politiker, Ned Kelly – und ein satirischer Kunstpreis, bei dem ein Kakadu über den Sieger entscheiden durfte.

Matt Adams hat sich mit ziemlich unterschiedlichen Themen beschäftigt.

Der australische Illustrator, Cartoonist und Karikaturist arbeitete für Zeitungen, Bücher und Magazine. Und zu diesen Magazinen gehörte auch die australische Ausgabe von MAD.

Damit ist er ein schönes Beispiel dafür, wie weit die internationale MAD-Familie tatsächlich reichte.

Ein australischer Cartoonist

Über Adams' persönliche Biografie ist vergleichsweise wenig öffentlich dokumentiert. Penguin Random House beschreibt ihn als preisgekrönten Illustrator und Cartoonisten, dessen Arbeiten unter anderem in MAD Magazine, The Canberra Times und The Australian erschienen.

Er lebt mit seiner Familie an der Central Coast von New South Wales.

Sein Arbeitsfeld reicht von klassischen Cartoons und Karikaturen über politische Illustrationen bis hin zu Kinderbüchern.

Eine Kombination, die eigentlich ganz gut zu MAD passt.

Denn wer Politiker, Filmfiguren und historische Persönlichkeiten zeichnen kann, besitzt schon einmal eine solide Grundausstattung für gepflegten Unsinn.

MAD Australia Nr. 450

Einen konkreten MAD-Beitrag können wir sehr genau zuordnen.

Für MAD Australia Nr. 450 vom Juli 2009 zeichnete Matt Adams das Cover.

Die Ausgabe erschien bei nextmedia und besaß ein umlaufendes Harry-Potter-Titelbild. Adams wird in den Heftdaten ausdrücklich als Cover Artist genannt.

Das ist für Sammler besonders interessant.

Denn bei MAD sind die Cover natürlich etwas anderes als eine kleine Zeichnung irgendwo zwischen zwei Artikeln. Sie gehören zu den Arbeiten, die eine Ausgabe sofort identifizierbar machen.

Adams durfte also ausgerechnet eines der größten Popkulturphänomene der damaligen Zeit durch die MAD-Mangel drehen.

Harry Potter trifft australische Politik

Harry Potter sollte in Adams' Werk sogar noch einmal auftauchen.

Das Museum of Australian Democracy verwendet in seinen Unterrichtsmaterialien einen politischen Cartoon von ihm aus dem Jahr 2011 mit dem Titel:

„Tony Potter“

Der Cartoon nutzt die Bildsprache der Harry-Potter-Welt für eine politische Aussage.

Das Museum führt die Arbeit ausdrücklich als Beispiel dafür an, wie Cartoonisten bekannte Figuren aus Filmen und Büchern einsetzen können, um politische Zusammenhänge schnell verständlich zu machen.

Das Prinzip dürfte jedem MAD-Leser vertraut vorkommen:

Man nehme etwas, das praktisch jeder kennt.

Dann ersetze ein paar Figuren.

Und plötzlich sieht die Wirklichkeit noch etwas absurder aus als vorher.

Sieger beim Bald Archy Prize

Bereits 2006 hatte Adams einen bemerkenswerten Erfolg erzielt.

Er gewann den Bald Archy Prize mit:

„Brown-Stain Janus-Faced“

Das Bild war eine satirische Verarbeitung eines Werkes von John Olsen.

Der Bald Archy Prize ist Australiens humoristische Antwort auf den berühmten Archibald Prize für Porträtmalerei. Adams' Sieg ist sowohl im offiziellen Archiv des Wettbewerbs als auch in einer zeitgenössischen Fairfax-Aufnahme dokumentiert.

Und die Geschichte des Bald Archy ist herrlich passend für einen MAD-Künstler.

Der Wettbewerb wurde bewusst als respektlose Alternative zum etablierten Kunstbetrieb geschaffen.

Die traditionelle Legende besagt sogar, dass der Sieger von einem Kakadu namens Maude ausgewählt wurde.

Hochkultur kann wirklich anstrengend sein.

Unter Australiens besten Cartoonisten

Adams war auch bei den Stanley Awards der Australian Cartoonists' Association vertreten.

2009 wurde er in der Kategorie Caricaturist nominiert.

2010 folgten sogar zwei Nominierungen: als Illustrator und erneut als Caricaturist.

Damit bewegte er sich in einer Cartoonistenszene, aus der auch andere uns bekannte MAD-Künstler stammen.

Gerade die australische MAD-Ausgabe konnte auf eine erstaunlich starke lokale Tradition von Karikaturisten, politischen Zeichnern und Illustratoren zurückgreifen.

Cartoons zur Tagespolitik

Dass Adams nicht nur Popkultur zeichnete, zeigt seine Arbeit für australische Zeitungen.

2012 berichtete das Medienmagazin Crikey beispielsweise über eine Illustration von ihm für The Canberra Times, die die damalige Premierministerin Julia Gillard zeigte.

Adams arbeitete also auch mit aktuellen politischen Themen – genau jenem Bereich, in dem Karikatur besonders schnell auf Ereignisse reagieren muss.

Zeitungsarbeit unterscheidet sich dabei deutlich von Magazinen.

Und Adams hat diesen Unterschied später selbst beschrieben.

Heute zeichnen, morgen drucken

In den Unterrichtsmaterialien zu seinem Kinderbuch Meet... Ned Kelly erklärt Adams seine Arbeitsweise.

Bei einer Zeitung müsse eine Illustration häufig bereits am nächsten Tag in den Druck. Große Änderungen und lange Abstimmungen seien deshalb kaum möglich.

Bei Magazinen gebe es mehr Zeit für redaktionelle Rücksprache.

Bei einem Bilderbuch wiederum sei der Prozess wesentlich intensiver: mehr Illustrationen, mehr Abstimmung und eine viel längere Lebensdauer des fertigen Werkes.

Deshalb müsse dort besonders sorgfältig gearbeitet werden.

Das ist ein interessanter Blick hinter die Kulissen.

Ein politischer Cartoon kann morgens entstehen und am nächsten Tag schon wieder historisch sein.

Ein Kinderbuch steht vielleicht Jahrzehnte im Regal.

Und ein MAD-Heft?

Das liegt 40 Jahre später bei irgendeinem verrückten Sammler in einer säurefreien Schutzhülle.

Meet... Ned Kelly

2013 beziehungsweise als Paperback 2014 erschien Adams' erstes Bilderbuch:

„Meet... Ned Kelly“

Der Text stammt von Janeen Brian, die Illustrationen von Matt Adams.

Das Buch erzählt Kindern die Geschichte des berühmten australischen Bushrangers Ned Kelly und bildete den Auftakt einer Reihe über bedeutende Persönlichkeiten der australischen Geschichte.

Für Adams bedeutete das einen deutlichen Wechsel gegenüber seinen Zeitungs- und Magazinillustrationen.

Hier ging es nicht um einen schnellen Gag oder eine aktuelle politische Pointe, sondern um eine zusammenhängende visuelle Erzählung.

Tod durch Dummheit

Wer nun befürchtet, Matt Adams sei mit dem Kinderbuch plötzlich vollkommen seriös geworden, kann beruhigt sein.

Er ist auch als Illustrator beziehungsweise Mitwirkender an „Death By Stupidity“ von David Southwell geführt.

Das Buch sammelt Geschichten über besonders bizarre und ausgesprochen unkluge Arten, ums Leben zu kommen.

Ein Titel, der auch ohne große Änderungen in einem MAD-Regal stehen könnte.

Ein typischer Vertreter von MAD Australia

Matt Adams ist vielleicht kein Name, der deutschen MAD-Lesern sofort so vertraut ist wie Don Martin, Sergio Aragonés oder Tom Bunk.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf ihn.

Seine Karriere zeigt, wie die internationalen Ausgaben von MAD funktionierten.

Sie übernahmen nicht nur Material aus den USA.

Sie konnten auf eigene Cartoonisten, eigene Themen und eine eigene Satirekultur zurückgreifen.

Adams zeichnete politische Karikaturen.

Er arbeitete für große Zeitungen.

Er gewann einen satirischen Porträtpreis.

Er illustrierte Kinderbücher.

Und 2009 gestaltete er ein MAD-Cover.

Von Ned Kelly bis Harry Potter ist das ein ziemlich weiter Weg.

Aber wenn man für MAD zeichnet, ist ein Umweg über völligen Blödsinn schließlich fast schon die kürzeste Verbindung.