Martin Zak – wenn eine kleine Veränderung den ganzen Witz macht
LEXIKON
Alfred E. Neumann
9/17/20263 min read


Eine ganz normale Situation. Ein vertrauter Gegenstand. Ein Satz, der zunächst harmlos klingt.
Und dann verändert Martin Zak eine Kleinigkeit.
Plötzlich ist die Szene nicht mehr normal.
Genau darin liegt die Stärke seiner Cartoons.
Der 1972 in Bytom geborene Zeichner gehört zu den deutschen Cartoonisten, deren Arbeiten auch im MAD-Magazin erschienen. Sein Humor ist direkt, manchmal boshaft und häufig von jener Sorte, bei der man erst lacht und anschließend überlegt, ob man das eigentlich durfte.
Von Polen nach Deutschland
Martin Zak wurde 1972 in Bytom, dem früheren Beuthen, geboren. 1990 zog er nach Deutschland.
Er studierte Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule Bielefeld und fand bereits während des Studiums zu seinen Cartoons.
Heute lebt und arbeitet er als freischaffender Cartoonist und Illustrator in Köln.
Seine Arbeiten erschienen in zahlreichen deutschsprachigen Zeitschriften, darunter Eulenspiegel, Stern, Nebelspalter und MAD.
Seine Verbindung zu MAD
Für unsere Fanclub-Reihe ist besonders interessant, dass Zaks MAD-Mitarbeit nicht nur in späteren Künstlerbiografien erwähnt wird.
Ein zeitgenössischer Ausstellungstext der Caricatura aus dem Jahr 2009 nennt ausdrücklich seine regelmäßigen Veröffentlichungen im MAD-Magazine.
Damit ist seine Mitarbeit gut belegt.
Ein genaues MAD-Debüt oder eine vollständige Liste seiner Beiträge konnte ich allerdings noch nicht zuverlässig nachweisen. Deshalb wäre es unseriös, ihm einfach eine bestimmte erste Ausgabe zuzuschreiben.
Was sich aber sagen lässt: Zak gehört zu jener Generation von Cartoonisten, die auch die spätere deutsche MAD-Ära mit eigenständigen Gags versorgten.
Eine Pointe ohne lange Erklärung
In einem Ausstellungskatalog erklärte Zak selbst, wie er häufig an einen Cartoon herangeht.
Er arbeitet mit Assoziationen und Symbolen oder nimmt eine gewöhnliche Situation und verändert nur eine einzelne Komponente – beispielsweise einen Buchtitel oder eine Textzeile.
Sein Ziel ist eine Pointe, die schnell erkennbar ist.
Lange Dialoge mag er nicht.
Das ist eine ziemlich gute Beschreibung dessen, was einen funktionierenden Cartoon ausmacht: Der Leser soll nicht erst eine Bedienungsanleitung benötigen.
Ein Blick. Ein Gedanke. Ein Treffer.
„Na toll!“ und „Was für ein Arsch!“
Auch außerhalb von MAD veröffentlichte Zak zahlreiche eigene Cartoonbücher.
Zu seinen frühen Titeln gehören „Na toll!“ aus dem Jahr 2002 und „Was für ein Arsch!“ von 2003, beide im Lappan Verlag.
Schon die Titel machen deutlich, dass hier niemand versucht, besonders ehrfürchtig vor der Welt zu stehen.
Weitere Bücher wie „Erste Hilfe“ oder „Das kleine Buch für Polizisten“ zeigen, wie sich seine Cartoons mit alltäglichen Situationen und vertrauten Rollen beschäftigen.
Dabei reicht manchmal schon eine einzige absurde Wendung, um aus einer gewöhnlichen Szene eine ziemlich unangenehme Wahrheit zu machen.
Bettlektüre, Katzen und Hunde
2007 erschienen bei Carlsen „Bettlektüre für Männer“ und „Bettlektüre für Frauen“.
Ein Jahr später folgten die Cartoonbände „Miau! Katzen-Cartoons“ und „Wuff! Hunde-Cartoons“.
Damit nahm Zak auch die Tierwelt ins Visier.
Und wer Cartoons kennt, weiß: Tiere sind besonders geeignete Figuren, um menschliche Eigenschaften vorzuführen.
Sie können eitel sein.
Sie können beleidigt sein.
Sie können sich vollkommen idiotisch verhalten.
Und niemand muss erklären, warum eine Kuh plötzlich eine Meinung hat.
„A bis Z“ in der Caricatura
Ein wichtiger Schritt in Zaks Laufbahn war die gemeinsame Ausstellung mit dem Cartoonisten Adam Trepczynski, bekannt als adam.
Unter dem Titel „A bis Z – Das Gesamtwerk“ zeigte die Caricatura in Kassel vom 12. September bis 25. Oktober 2009 Arbeiten beider Künstler.
Die Ausstellung umfasste nicht nur klassische Cartoons, sondern auch Animationen und interaktive Arbeiten.
Zu Zaks damaligen Projekten gehörten die Cartoonserie „Who’s Perfect?“ und das animierte Kurzfilmprojekt „Crash Test Dummies off Work“.
Das zeigt, dass sein Humor nicht auf die gedruckte Seite beschränkt blieb.
Ein ausgezeichneter böser Witz
2012 gehörte Zak zu den Preisträgern eines Cartoonwettbewerbs in der Kunst- und Kulturstätte Monschau.
Mit seiner Arbeit „Wenn italienische Politiker lügen“ erreichte er den dritten Platz.
Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass sein Humor auch außerhalb klassischer Cartoonzeitschriften Anerkennung fand.
Und dass politische Satire manchmal mit einer einzigen Zeichnung auskommt.
Vom Filzstift zum Tablet
Interessant ist auch seine technische Arbeitsweise.
Nach Angaben seiner Bildagentur entstehen Zaks Cartoons traditionell häufig mit Filzstift auf Papier. Anschließend werden sie eingescannt und am Computer koloriert.
Ältere Arbeiten wurden noch mit COPIC-Markern eingefärbt.
Inzwischen entstehen viele Motive vollständig digital auf dem Tablet.
Die Werkzeuge verändern sich also.
Die Grundidee bleibt dieselbe:
Eine gute Pointe muss funktionieren – egal, ob sie mit Filzstift oder auf dem Bildschirm entsteht.
Ein eigener Strich für MAD
Martin Zak ist kein Zeichner, der versucht, wie Don Martin, Jack Davis oder Sergio Aragonés auszusehen.
Er gehört zu den Künstlern mit einer eigenen, sofort erkennbaren Cartoonhandschrift.
Seine Figuren und sein Humor stehen für eine andere Generation: kürzere Gags, reduzierte Situationen und Pointen, die manchmal ziemlich direkt unter die Gürtellinie gehen.
Gerade deshalb ist seine Mitarbeit für die Geschichte des deutschen MAD interessant.
Das Magazin lebte nicht nur von seinen großen amerikanischen Namen.
Es lebte auch von deutschen Zeichnern, die ihren eigenen Humor mitbrachten.
Martin Zak gehört dazu.
Und wenn man seine Cartoons lange genug betrachtet, merkt man:
Manchmal muss man an der Welt gar nicht viel verändern, damit sie vollkommen absurd wird.
