Martin Frei – von MAD über Science Fiction bis zum VfB-Krokodil
LEXIKON
Alfred E. Neumann
9/16/20263 min read


Wer in Stuttgart einem grünen Krokodil begegnet, denkt vermutlich zuerst an Fußball. Wer dagegen eine MAD-Ausgabe aus der Dino-/Panini-Zeit aufschlägt, könnte auf denselben Zeichner stoßen: Martin Frei.
Der 1964 in Stuttgart geborene Comiczeichner und Illustrator gehört zu den vielseitigen deutschen Künstlern, die für MAD gearbeitet haben. Science Fiction, Fantasy, Krimi, Superhelden und Satire – Frei bewegt sich zwischen Genres, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.
Seine besondere Stärke: Er kann sowohl realistisch als auch karikierend und im klassischen Funny-Stil zeichnen.
Seit 1984 im Comicgeschäft
Martin Frei veröffentlicht seit 1984 Comics. Seine Arbeiten reichen von humoristischen Kurzgeschichten bis zu umfangreichen, realistisch gezeichneten Alben.
Für MAD war er nach eigenen Angaben von 1999 bis 2018 tätig. Damit begleitete er praktisch die gesamte zweite große Phase des deutschen Magazins – vom Neustart unter Dino bis zum Ende der Panini-Ausgabe.
Während viele Leser MAD vor allem mit amerikanischen Zeichnern verbinden, gehörte Frei zu den Künstlern, die der deutschen Ausgabe eigene Beiträge und eine eigene zeichnerische Handschrift gaben.
Star Wars bekommt sein Fett weg
Ein konkretes Beispiel seiner MAD-Arbeit findet sich in MAD Nr. 181 vom November 2017:
„Star Wurst Episode 8 – Die letzten Yeti“
Die Parodie ist als Arbeit von Martin Frei dokumentiert.
Auch MAD Nr. 177 vom Januar 2017 enthält eine von ihm gezeichnete Star-Wars-Arbeit. Solche Beiträge zeigen, wie gut sich seine zeichnerische Vielseitigkeit für Filmparodien eignete: Bekannte Figuren müssen erkennbar bleiben, dürfen aber gleichzeitig hemmungslos überzeichnet werden.
Das ist eine besondere Herausforderung.
Ein realistischer Luke Skywalker ist eine Sache.
Ein Luke Skywalker, der aussieht, als hätte er gerade das Drehbuch von MAD gelesen, ist eine andere.
MAD-Originale in der Galerie
2017 waren Freis Arbeiten in der Stuttgarter Ausstellung „Comics“ in der Galerie Merkle zu sehen.
Neben Künstlern wie Peter Puck, Timo Würz und Hannes Steinert wurden dort auch Skizzen und fertige Reinzeichnungen für die deutsche MAD-Ausgabe gezeigt, darunter Asterix-Parodien.
Für Sammler ist das besonders interessant: Die Ausstellung machte sichtbar, was im gedruckten Heft normalerweise verborgen bleibt.
Vor der fertigen Seite stehen Entwürfe, Korrekturen und die Entscheidung, wie eine Figur am besten funktioniert.
Ein Original ist deshalb nicht einfach nur eine größere Version der gedruckten Seite. Es zeigt auch etwas vom Arbeitsprozess des Künstlers.
50 Jahre deutsches MAD
Im selben Jahr gehörte Martin Frei zu den Gästen des Comicfestivals München, das das 50-jährige Bestehen des deutschen MAD feierte.
Bei einer Gesprächsrunde saß er gemeinsam mit Ivica Astalos, Dieter Stein, Oliver Naatz, Tom Bunk, Peter Kuper und Matthias Ulinski auf dem Podium.
Damit war Frei auch Teil jener Veranstaltung, die die Geschichte des deutschen MAD über mehrere Zeichnergenerationen hinweg zusammenbrachte.
Für die deutsche MAD-Geschichte ist das ein schöner Beleg dafür, dass die spätere Ausgabe nicht nur von importierten amerikanischen Beiträgen lebte, sondern auch von einer eigenen deutschen Künstlerszene.
Gregor Ka, Superbabe und andere Welten
Außerhalb von MAD ist Martin Freis Werk ausgesprochen breit.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört der dreibändige Science-Fiction-Thriller „Gregor Ka“. Mit „Superbabe“ schuf er eine Superhelden-Parodie, die bei Carlsen und später bei Gringo Comics erschien.
Auch Fantasy gehört zu seinem Repertoire, etwa mit „Asanghia“ und „Lanternjack“.
Gerade Superbabe zeigt eine interessante Verbindung zu MAD: Frei kann das Superheldengenre nicht nur ernsthaft zeichnen, sondern auch dessen Regeln und Klischees humorvoll auf den Kopf stellen.
Ein Krimi mitten in Stuttgart
Mit „Kommissar Eisele“ widmete sich Frei einer ganz anderen Welt.
Die Krimireihe spielt in Stuttgart und verbindet die Handlung mit detailreich gezeichneten Schauplätzen der Stadt. Hier zeigt sich besonders seine realistische Seite.
Auch an der Comicadaption des Schimanski-Tatorts „Zweierlei Blut“ war Frei beteiligt.
Wer nur seine MAD-Parodien kennt, dürfte über diese Arbeiten staunen: Derselbe Zeichner, der Filmfiguren veralbert, kann auch glaubwürdige Krimiszenen und komplexe Stadtansichten gestalten.
Fritzle – der wohl bekannteste Stuttgarter
Seine vermutlich bekannteste Figur außerhalb der Comics ist Fritzle, das Krokodilmaskottchen des VfB Stuttgart.
Frei schuf die Figur und zeichnete von 1992 bis 2016 zu jedem VfB-Heimspiel einen Fritzle-Comicstrip für „Stadion Aktuell“.
Das bedeutet: Viele Fußballfans kennen eine Figur von Martin Frei, ohne unbedingt zu wissen, dass ihr Schöpfer auch für MAD gearbeitet hat.
Ein ziemlich ungewöhnlicher Lebenslauf für ein Krokodil.
Ein Zeichner zwischen den Genres
Martin Frei steht für eine Generation deutscher Comiczeichner, die sich nicht auf einen einzigen Stil festlegen lässt.
Er kann einen Krimi realistisch erzählen, eine Science-Fiction-Welt entwerfen, einen Superhelden parodieren oder einen MAD-Gag zeichnen.
Und genau deshalb passt er so gut in die Geschichte des deutschen MAD.
Denn das Magazin brauchte nicht nur Leute, die lustige Gesichter zeichnen konnten.
Es brauchte Künstler, die wussten, wie ein Genre funktioniert – und wie man es anschließend genüsslich zerlegt.
Martin Frei konnte beides.
