Kit Lively – MAD-Humor mit einer ziemlich dunklen Pointe

LEXIKON

Alfred E. Neumann

9/13/20263 min read

Ein Goldfisch trägt eine Baskenmütze. Ein Mitbewohner verhält sich verdächtig. Und irgendwo stellt sich die Frage, ob die eigenen Eltern möglicherweise versuchen, einen umzubringen.

Willkommen in der Welt von Kit Lively.

Der amerikanische Cartoonist und Humorautor gehört zu jener MAD-Generation, die mit kurzen, schrägen Gags, Comicstrips und bewusst makaberen Ideen arbeitete. Besonders eng ist sein Name mit dem Zeichner Scott Nickel verbunden.

Ein Goldfisch macht den Anfang

Livelys erster dokumentierter MAD-Beitrag erschien in MAD Nr. 468 vom August 2006.

Es war ein eigener Gag auf den Fundalini Pages, veröffentlicht unter dem Titel:

„Kit and Run“

Das Motiv: ein Goldfisch mit Baskenmütze.

Damit begann seine Mitarbeit bei MAD zunächst als Autor und Zeichner. Später trat er vor allem als Texter in Erscheinung und arbeitete mit verschiedenen Illustratoren zusammen.

The Dork Side

Eine seiner wichtigsten MAD-Verbindungen entstand mit Scott Nickel.

Nickel hatte bereits eigene Comicstrips für MAD entwickelt. Ab MAD Nr. 505 vom Oktober 2010 ist Lively als Autor von „The Dork Side“ dokumentiert, während Nickel die Zeichnungen übernahm.

Der Strip griff typische Alltagssituationen auf und führte sie mit wenigen Bildern zu einer absurden Pointe.

Gerade dieses kurze Format passte gut zu Livelys Humor: keine lange Einleitung, keine komplizierte Handlung – sondern eine Idee, die möglichst schnell in die falsche Richtung abbiegt.

Wenn der Mitbewohner vielleicht ein Serienkiller ist

Noch deutlicher wurde diese Vorliebe für makabere Alltagssatire in der Reihe:

„WTF, Jeff?“

beziehungsweise

„WTF, Jeff? or My Roommate Might Be a Serial Killer“

Auch hier schrieb Lively die Texte, Scott Nickel zeichnete.

Die Reihe erschien ab MAD Nr. 518 vom Dezember 2012 und kehrte in zahlreichen späteren Ausgaben zurück.

Schon der Titel erklärt das Prinzip ziemlich gut: Ein Mitbewohner verhält sich auf eine Weise, die man zunächst vielleicht noch für eine schlechte Angewohnheit halten könnte.

Vielleicht ist er einfach nur seltsam.

Vielleicht sollte man aber auch besser ausziehen.

Eltern, Partner und andere Gefahren

Lively schrieb nicht nur Comicstrips.

Für MAD Nr. 511 vom Oktober 2011 verfasste er beispielsweise:

„Signs That Your Parents Are Trying to Kill You“

Die Zeichnungen stammten von Peter Bagge.

In MAD Nr. 513 vom Februar 2012 folgte:

„Tip-Offs That Your Significant Other Just Might Be a Serial Killer“

illustriert von Tim Hamilton.

Beide Titel zeigen, wie Lively häufig arbeitet: Eine vertraute Beziehung wird genommen – Eltern, Partner oder Mitbewohner – und anschließend mit einem vollkommen übertriebenen Verdacht versehen.

Das Ergebnis ist kein realistischer Krimi, sondern eine satirische Verdrehung des Alltags.

Auch Politik und Popkultur

Livelys MAD-Arbeit beschränkte sich keineswegs auf schwarzen Humor.

Er schrieb auch Beiträge über Politik, Prominente und aktuelle Popkultur.

Für die Jahresabrechnung „The 20 Dumbest People, Events and Things of 2011“ war er beispielsweise an „Charlie Sheen Self-Destructs“ beteiligt. Die Satire verwandelte den Schauspieler in „Sheen Lantern“, eine Parodie auf ein Green-Lantern-Comiccover.

Auch später arbeitete Lively mit unterschiedlichen Künstlern zusammen, darunter Evan Dorkin, Sarah Dyer, David DeGrand, Tom Bunk, Al Jaffee und Ed Steckley.

Das zeigt seine Vielseitigkeit als Autor: Seine Ideen konnten als kurzer Cartoon, Comicstrip, Liste oder größere illustrierte Satire funktionieren.

MAD rund um die Welt

Besonders interessant für internationale MAD-Sammler ist die Zusammenarbeit von Lively und Nickel außerhalb der amerikanischen Ausgabe.

Ihre Cartoons erschienen auch in ausländischen MAD-Ausgaben, darunter der brasilianischen Ausgabe.

Damit gehört Lively zu jener Generation von MAD-Mitarbeitern, deren Arbeiten nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern gelesen wurden.

„Dammit! I Swallowed Another One!“

Außerhalb von MAD veröffentlichte Lively ebenfalls zahlreiche Cartoons und humoristische Texte.

Seine Arbeiten erschienen unter anderem bei National Lampoon, Cracked, Joe Bob Briggs und weiteren Humor- und Cartoonpublikationen.

2011 erschien sein eigenes Cartoon- und Comicstripbuch:

„Dammit! I Swallowed Another One!“

Der Titel passt ziemlich gut zu seinem Humor.

Die Sammlung erschien bei BearManor Media und versammelt Cartoons und Comicstrips, die sich nicht unbedingt darum bemühen, besonders brav oder geschmackvoll zu sein.

Ein Autor, der auch später noch auftaucht

Livelys Beiträge reichen bis in die letzten New Yorker MAD-Ausgaben von 2018 und darüber hinaus in die neue Nummerierung.

So schrieb er unter anderem „Lesser Known Stars on the Hollywood Walk of Fame“ für die neue MAD Nr. 2 von 2018 und weitere kurze Beiträge für die folgenden Ausgaben.

Auch digital wurden seine älteren Arbeiten später erneut veröffentlicht. DC veröffentlichte 2025 und 2026 mehrere seiner gemeinsam mit Scott Nickel entstandenen Strips innerhalb der Reihe „MAD Short Cuts“.

Einer der jüngeren „Idiots“

Kit Lively gehört nicht zu den klassischen MAD-Zeichnern der ersten Jahrzehnte.

Er steht für eine spätere Generation, die das Magazin mit neuen Comicstrips, kurzen Gags und einer deutlich moderneren Popkultur-Satire versorgte.

Seine besondere Stärke liegt dabei in der Kombination aus Alltag und Absurdität.

Ein Elternhaus.

Eine Beziehung.

Ein Mitbewohner.

Alles zunächst vollkommen normal.

Bis Kit Lively eine Idee bekommt.

Und plötzlich möchte man vielleicht doch lieber die Tür abschließen.