Jo Löffler – der Mann hinter dem neuen deutschen MAD
LEXIKON
Alfred E. Neumann
9/8/20264 min read


Als das deutsche MAD 1995 eingestellt wurde, schien eine Ära endgültig vorbei zu sein. Herbert Feuerstein hatte das Magazin bereits einige Jahre zuvor verlassen, die Auflagen waren gesunken, und Alfred E. Neumann verschwand aus den deutschen Zeitschriftenregalen.
Doch 1998 kam er zurück.
Und einer der Männer, die dafür sorgten, dass aus diesem Comeback mehr als nur ein kurzer Wiederbelebungsversuch wurde, war Jo Löffler.
1998: MAD bekommt eine zweite Chance
Am 7. Oktober 1998 startete der Stuttgarter Dino-Verlag eine neue deutsche MAD-Ausgabe.
Diesmal sollte das Magazin anders aussehen als früher: vollfarbig, stärker auf aktuelle Popkultur ausgerichtet und mit einer jüngeren Zielgruppe im Blick.
Jo Löffler gehörte von Beginn an zu den verantwortlichen Redakteuren. Später wurde er als Chefredakteur zum prägenden Kopf dieser zweiten deutschen MAD-Ära. Gemeinsam mit Mathias Ulinski und weiteren Mitarbeitern betreute er das Magazin über viele Jahre.
Als Panini den Dino-Verlag übernahm, ging auch MAD in die neue Verlagsstruktur über. Ab 2003 wurde die Reihe unter Panini fortgeführt.
Nicht einfach das alte MAD noch einmal
Die Aufgabe war schwierig.
Einerseits gab es die älteren Leser, die mit Herbert Feuerstein, Don Martin, Al Jaffee und Sergio Aragonés aufgewachsen waren.
Andererseits sollte MAD neue Leser erreichen, die mit anderen Filmen, Fernsehserien, Computerspielen und einer völlig veränderten Medienwelt groß wurden.
Löffler erklärte 2017, man habe MAD vorsichtig an die neue Zeit anpassen wollen.
Das bedeutete nicht, die alten Künstler zu vergessen.
Im Gegenteil.
Die neue Redaktion veröffentlichte weiterhin Klassiker und hielt Kontakt zu Künstlern der früheren MAD-Generation. Gleichzeitig entstanden neue Beiträge über deutsche Prominente, Fernsehen, Werbung und aktuelle gesellschaftliche Themen.
Eine Plattform für deutsche Zeichner
Besonders wichtig war Löffler die Beteiligung deutscher Künstler.
Er verwies 2017 ausdrücklich darauf, dass MAD vielen Zeichnern eine Plattform bot. Dazu gehörten unter anderem Ralph Ruthe, Martin Frei, Michael Vogt, Matthias Kringe und Sarah Burrini.
Auch Künstler wie Guido Neukamm, Daniel Gramsch und Ivica Astalos waren Teil dieser deutschen MAD-Welt.
Damit setzte die Redaktion eine Tradition fort, die bereits Herbert Feuerstein begonnen hatte:
MAD sollte nicht nur amerikanische Satire übersetzen, sondern auch eigenen deutschen Humor produzieren.
Übersetzen ist manchmal Neuschreiben
Eine besondere Herausforderung blieb die Übertragung amerikanischer Beiträge.
Ein Witz, der in den USA funktioniert, muss in Deutschland noch lange nicht lustig sein.
Wortspiele lassen sich häufig nicht direkt übersetzen. Amerikanische Prominente sind hierzulande möglicherweise unbekannt. Und manchmal passt eine deutsche Pointe schlicht nicht in die vorhandene Sprechblase.
Löffler hob deshalb die Arbeit seines Teams und insbesondere des Übersetzers Oliver Naatz hervor.
Gerade darin liegt ein oft unterschätzter Teil der deutschen MAD-Geschichte: Hinter einer gelungenen Übersetzung steckt manchmal beinahe genauso viel kreative Arbeit wie hinter einem neuen Beitrag.
Nonsens oder Satire?
Eine Frage begleitete die neue MAD-Ära immer wieder:
Ist das eigentlich noch Satire – oder nur Blödsinn?
Löffler sah darin keinen zwingenden Widerspruch.
MAD sollte sowohl schnelle Gags als auch gesellschaftliche Satire bieten. Das Magazin richtete sich vor allem an jüngere Leser und sollte ihnen einen Zugang zu Humor und Satire ermöglichen.
Nicht jeder Beitrag musste deshalb eine tiefgründige politische Aussage enthalten.
Manchmal reichte ein guter Witz.
Und manchmal durfte es eben auch ein besonders schlechter sein.
Zwischen Tradition und Kritik
Der Neustart war allerdings nicht unumstritten.
Manche ältere Leser vermissten den Ton der Feuerstein-Jahre. Auch die stärkere Ausrichtung auf junge Leser, die Vollfarbe und die Werbung im Heft wurden kritisch betrachtet.
Gerade die frühe Zusammenarbeit mit RTL sorgte 1998 für Diskussionen. Kritiker befürchteten, dass MAD dadurch zu stark in Richtung Fernsehwerbung und Cross-Promotion rücken könnte.
Löffler und seine Redaktion mussten also einen schwierigen Spagat bewältigen:
Das alte MAD bewahren – und gleichzeitig ein neues MAD machen.
100 Ausgaben und 50 Jahre deutsches MAD
Dass der Neustart Bestand hatte, zeigte sich spätestens 2006.
Im Dezember erschien die 100. Ausgabe der neuen deutschen MAD-Reihe als Jubiläumsheft mit doppeltem Umfang.
2017 folgte dann das große Jubiläum:
50 Jahre deutsches MAD
Beim Comicfestival München wurde die Geschichte des Magazins gefeiert. Die Redaktion war vor Ort, Künstler aus verschiedenen MAD-Generationen kamen zusammen, und das Magazin blickte auf ein halbes Jahrhundert deutschen Wahnsinns zurück.
Löffler erinnerte sich damals daran, dass dem Neustart 1998 teilweise nur wenige Ausgaben zugetraut worden waren.
Inzwischen näherte sich die neue Reihe bereits ihrer 200. Ausgabe.
2018: Das Ende der regulären Reihe
Ganz erreicht wurde diese Marke allerdings nicht.
Mit MAD Nr. 185, erschienen im Dezember 2018 als Ausgabe 01/2019, endete die reguläre deutsche Dino-/Panini-Reihe.
Damit ging nach rund zwanzig Jahren auch die zweite große Ära des deutschen MAD zu Ende.
Jo Löffler blieb anschließend im Verlagswesen tätig. Seine Bedeutung für MAD liegt jedoch vor allem in diesen beiden Jahrzehnten.
Der Mann hinter der zweiten deutschen MAD-Ära
Jo Löffler war kein Don Martin.
Kein Mort Drucker.
Und auch kein zweiter Herbert Feuerstein.
Seine Aufgabe war eine andere.
Er musste ein berühmtes Magazin, dessen große Zeit scheinbar vorbei war, für eine neue Generation wieder interessant machen.
Er hielt die Verbindung zu den klassischen MAD-Künstlern aufrecht, förderte deutsche Zeichner und Autoren und führte das Magazin durch eine Zeit, in der sich Comics, Fernsehen, Internet und Jugendkultur grundlegend veränderten.
Für Sammler ist deshalb klar:
Wer die deutsche MAD-Geschichte verstehen möchte, sollte nicht nur die Feuerstein-Ausgaben kennen.
Auch die Dino-/Panini-Jahre von 1998 bis 2018 gehören dazu.
Und einer der wichtigsten Namen dieser Zeit lautet:
Jo Löffler.
