Jay Rath – MAD-Autor zwischen Satire, Comics und Radio

LEXIKON

Alfred E. Neumann

9/6/20263 min read

Nicht jeder MAD-Mitarbeiter musste ein berühmter Zeichner sein. Manche lieferten vor allem das, was hinter einer guten Parodie steckt: die Idee und den Text.

Zu diesen Autoren gehört Jay Rath. Der amerikanische Humorist, Cartoonist und Journalist aus Wisconsin arbeitete für MAD, The Onion und zahlreiche weitere Medien. Seine Karriere zeigt, wie vielseitig die Menschen hinter der „Usual Gang of Idiots“ sein können.

Von der Zeitungssatire zu MAD

Rath war lange als Mitarbeiter und kreativer Berater für The Onion tätig. Die amerikanische Satirezeitung wurde durch erfundene Nachrichten bekannt, die mit vollkommen ernstem Tonfall den größten Unsinn verkünden.

Genau diese Art von Humor passt natürlich hervorragend zu MAD.

Auch dort geht es häufig darum, eine vertraute Form zu nehmen – eine Werbung, eine Nachricht, ein Filmplakat – und sie so zu verändern, dass plötzlich die Absurdität dahinter sichtbar wird.

QR-Codes, Politik und ein Lego-Stein

Raths MAD-Beiträge lassen sich in den Ausgaben der 2010er-Jahre konkret nachweisen.

In MAD Nr. 518 vom Dezember 2012 schrieb er für die Fundalini Pages:

„What Are Those QR Codes Really?“

Schon der Titel zeigt, wie MAD damals auf neue Alltagstechnologien reagierte. QR-Codes waren plötzlich überall – also musste natürlich auch MAD erklären, was wirklich dahintersteckt.

Ein besonders schönes Beispiel folgte in MAD Nr. 525 vom Februar 2014.

Für die Jahresabrechnung „The 20 Dumbest People, Events and Things of 2013“ schrieb Rath:

„National Buffoons’ Abysmal House“

Die Zeichnungen stammten von Tom Richmond.

Der Beitrag parodierte das berühmte Filmplakat von National Lampoon’s Animal House und verwandelte es in eine Satire auf den dysfunktionalen amerikanischen Kongress.

Eine klassische MAD-Idee: Man nimmt ein bekanntes Bild aus der Popkultur und benutzt es, um die Politik lächerlich zu machen.

In MAD Nr. 526 vom April 2014 folgte schließlich:

„Highs and Lows in the Life of a Lego Brick“

Diesmal zeichnete Chris Houghton.

Auch hier genügte eine einfache Grundidee: Wie sähe eigentlich das Leben eines Lego-Steins aus, wenn man es wie das eines Menschen betrachten würde?

Genau aus solchen Perspektivwechseln entsteht häufig der beste MAD-Humor.

Ein Mann für viele Medien

Jay Raths Arbeit beschränkte sich allerdings nie auf MAD.

Er schrieb und arbeitete unter anderem für The Onion Movie und die Videoserie „The Onion’s Extremely Accurate History of the Internet“. Außerdem war er an Animationsprojekten beteiligt und arbeitete für Unternehmen wie Disney und DC Comics.

Gemeinsam mit Scott Dikkers, einem der Gründer von The Onion, entwickelte Rath zudem The Radio Pirates.

Die Gruppe produzierte Comedy für den amerikanischen Hörfunk. Dazu gehörten Radiosendungen, Sketche und Parodien – also Humor, bei dem die Pointe allein durch Sprache, Timing und Geräusche funktionieren muss.

Das ist eine interessante Ergänzung zu MAD, wo Text und Bild meistens gemeinsam den Witz erzeugen.

Auch Theater und Unterricht

Rath arbeitete außerdem als Theaterautor und beschäftigte sich mit dem Stück „Bright Lucifer“ von Orson Welles. Er bearbeitete das Werk und produzierte dessen Weltpremiere.

Daneben unterrichtete er über viele Jahre Cartooning, Animation und Unterhaltungsgeschichte an der University of Wisconsin.

Damit verbindet seine Laufbahn gleich mehrere Bereiche: Journalismus, Comics, Satire, Radio, Film, Theater und Lehre.

Warum Jay Rath zur MAD-Geschichte gehört

Jay Rath ist kein Name, den man automatisch mit einem bestimmten Zeichenstil verbindet.

Er gehört vielmehr zu jener Gruppe von Autoren, deren Arbeit oft erst beim Blick ins Inhaltsverzeichnis sichtbar wird.

Und genau deshalb lohnt es sich, auch solche Namen in unserer MAD-Reihe vorzustellen.

Denn ohne Autoren gäbe es keine Parodien, keine absurden Überschriften und keine verrückten Ideen, die ein Zeichner anschließend umsetzen kann.

Ein guter MAD-Gag beginnt manchmal mit einem Bleistift.

Und manchmal mit jemandem, der sich fragt, wie das Leben eines Lego-Steins wohl aussehen würde.