Jacob Lambert – vom MAD-Leser zum MAD-Redakteur

LEXIKON

Alfred E. Neumann

9/5/20263 min read

Manche Menschen entdecken MAD, lachen ein paar Jahre darüber und wenden sich irgendwann anderen Dingen zu.

Jacob Lambert machte daraus beinahe ein Berufsleben.

Er begann als begeisterter Leser, wurde später Autor und Zeichner und gehörte schließlich selbst zur Redaktion des Magazins. Seine Geschichte zeigt, dass MAD auch in seinen letzten New Yorker Jahren noch Menschen anzog, die mit dem Heft aufgewachsen waren.

Ein krankes Kind und ein MAD-Heft

Lambert erinnerte sich 2019 an den Tag, an dem seine Begeisterung begann.

Er war acht Jahre alt, lag krank zu Hause und bekam von seinem Vater ein MAD-Heft mitgebracht. Auf dem Titelbild war Alfred E. Neumann als Spock aus Star Trek zu sehen.

Lambert las die Ausgabe begeistert. Anschließend bekam er ein Abonnement, das ihn bis ins Studium begleitete.

Aus einem einzelnen Heft wurde eine langjährige Leidenschaft.

Vom Studium in die Redaktion

1997 begann Lambert sein Studium an der University of Delaware. Ursprünglich wollte er Journalist werden, wechselte jedoch zur Illustration.

Während des Studiums bewarb er sich um ein Praktikum bei MAD – und bekam tatsächlich einen Platz in der New Yorker Redaktion.

Sein erster dokumentierter Beitrag erschien bereits in MAD Nr. 396 vom August 2000:

„A More Factual Version of that Deceptive Home Depot Ad“

Die Illustrationen stammten von Irving Schild.

Damit war Lambert plötzlich nicht mehr nur Leser des Magazins, sondern selbst Teil der „Usual Gang of Idiots“.

Werbung, Popkultur und aktuelle Satire

In den folgenden Jahren schrieb Lambert zahlreiche Beiträge für MAD.

Seine Themen passten hervorragend zur amerikanischen Popkultur der 2000er-Jahre: Werbung, Filme, Prominente, Internet und gesellschaftliche Trends.

Zu seinen Arbeiten gehören beispielsweise „What the Film 2001 Predicted / What the Year 2001 Actually Delivered“, „When Corporate Naming Gets Out of Control“ und „Selected Highlights from Courtney Love’s Journal“.

Gerade solche Beiträge zeigen, dass MAD nicht nur von seinen berühmten Zeichnern lebte. Jemand musste schließlich zuerst auf die Idee kommen, eine Werbung, einen Film oder eine Prominentenmeldung möglichst respektlos auseinanderzunehmen.

Vom Autor zum Zeichner – und dann zum Redakteur

Lambert blieb nicht beim Schreiben.

2010 begann er, auch Cartoons für MAD zu zeichnen. Zwei Jahre später wurde er als Redakteur eingestellt.

Damit hatte er drei verschiedene Seiten des Magazins kennengelernt:

als Leser,

als Autor und Zeichner,

und schließlich als jemand, der selbst an der Entstehung der Ausgaben beteiligt war.

Seine MAD-Laufbahn erstreckte sich damit über beinahe zwei Jahrzehnte.

Batman, der Pinguin und ein Bilderbuch

Ein besonders schönes Projekt entstand 2018.

Gemeinsam mit dem MAD-Zeichner Tom Richmond veröffentlichte Lambert:

„Don't Let the Penguin Drive the Batmobile!“

Das Buch ist eine Parodie auf das bekannte Kinderbuch Don't Let the Pigeon Drive the Bus! von Mo Willems.

Die Grundidee ist herrlich einfach: Batman ist beschäftigt, und nun muss jemand verhindern, dass der Pinguin das Batmobil fährt.

Lambert schrieb den Text, Richmond übernahm die Zeichnungen.

Das Ergebnis verbindet zwei Welten, die eigentlich nicht zusammengehören: ein harmloses Kinderbuchkonzept und die völlig überdrehte Welt von Batman und MAD.

2018 endet die New Yorker Ära

Als MAD 2018 seine Redaktion von New York nach Burbank, Kalifornien, verlegte, endete auch Lamberts Zeit in der New Yorker Redaktion.

2019 schrieb er für The Week einen persönlichen Abschiedstext über MAD.

Darin blickte er auf seine eigene Geschichte mit dem Magazin zurück – vom Achtjährigen mit dem ersten Heft bis zum erwachsenen Autor, Zeichner und Redakteur.

Sein Rückblick war nicht einfach nur eine Klage über das Ende einer Zeitschriftenära. Er beschrieb auch, wie sich Leser verändern, wie Medien verschwinden und wie ein Magazin trotzdem ein ganzes Leben prägen kann.

Mehr als nur ein ehemaliger MAD-Mitarbeiter

Auch außerhalb von MAD arbeitete Lambert als Autor und Illustrator. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in The Philadelphia Inquirer, Philadelphia Weekly und The Millions. Später war er als Art Director für TheWeek.com tätig.

Damit setzte er seine Arbeit mit Texten, Bildern und visueller Gestaltung auch nach MAD fort.

Einer der jüngeren „Idiots“

Jacob Lambert gehört nicht zur Gründergeneration von Harvey Kurtzman und Jack Davis.

Er gehört auch nicht zur klassischen Feldstein-Ära von Don Martin, Al Jaffee und Mort Drucker.

Er steht für eine spätere Generation, die MAD zunächst selbst als Kinder und Jugendliche gelesen hatte – und irgendwann die Gelegenheit bekam, das Magazin mitzugestalten.

Gerade deshalb ist seine Geschichte für MAD-Fans so schön.

Ein Vater bringt seinem kranken Sohn ein Heft mit.

Der Sohn liest es.

Er wird Fan.

Er studiert Illustration.

Er bekommt ein Praktikum.

Und Jahre später sitzt er selbst in der MAD-Redaktion.

Manchmal beginnt eine Karriere eben mit einer ziemlich schlechten Entscheidung.

Zum Beispiel damit, einem Achtjährigen MAD zu kaufen.