Guido Neukamm – mehr als 20 Jahre deutsches MAD

LEXIKON

Alfred E. Neumann

8/28/20262 min read

Wenn man sich mit der deutschen MAD-Geschichte beschäftigt, kommt man an Guido Neukamm kaum vorbei.

Der Berliner Comiczeichner und Autor arbeitete über 20 Jahre lang für das deutsche MAD-Magazin und gehörte damit zu jener Generation von Künstlern, die dafür sorgte, dass die deutsche Ausgabe weit mehr war als nur eine Übersetzung des amerikanischen Originals.

Von Berlin zu MAD

Guido Neukamm wurde am 10. September 1963 in Berlin geboren. Schon früh interessierte er sich für Comics und entwickelte einen Stil, der klassische europäische Comictradition mit Einflüssen aus Manga und moderner Illustration verbindet.

Für MAD zeichnete Neukamm über viele Jahre Parodien, Gags und satirische Beiträge. Besonders in den 1990er- und 2000er-Jahren begegnet sein Name regelmäßig in der deutschen Ausgabe.

Dabei arbeitete er häufig mit Daniel Gramsch zusammen. Gramsch kolorierte zahlreiche seiner MAD-Comics und beteiligte sich auch an den Texten. So entstand ein kreatives Duo, das den Stil des späteren deutschen MAD deutlich mitprägte.

Eigene deutsche MAD-Inhalte

Das ist ein wichtiger Punkt:

MAD Deutschland bestand keineswegs nur aus übersetzten amerikanischen Beiträgen.

Gerade Künstler wie Guido Neukamm produzierten eigene deutsche Inhalte zu Filmen, Fernsehen, Politik und Popkultur. Damit bekam die deutsche Ausgabe eine eigene Identität und konnte Themen aufgreifen, die für amerikanische Leser überhaupt keine Rolle spielten.

Neukamm gehörte zu den Zeichnern, die diesen deutschen Anteil über viele Jahre mittrugen.

Nicht nur MAD

Seine Arbeit beschränkte sich jedoch nie auf Alfred E. Neumann.

Neukamm zeichnete auch für die bekannten „Gespenstergeschichten“ und entwickelte eigene Comicreihen wie:

„Biien der Schatten“
und
„Nocturnal Nemesis“.

Gerade Biien der Schatten wurde später auch über das Comicwerk veröffentlicht.

Manga-Einflüsse

Interessant ist, dass Neukamm sich bereits seit Ende der 1980er-Jahre intensiv mit Manga beschäftigte – zu einer Zeit, als japanische Comics in Deutschland noch längst nicht so selbstverständlich waren wie heute.

2003 lernte er die Zeichnerin Marie Sann kennen. Gemeinsam entwickelten beide mehrere Geschichten im Manga-Stil.

Daraus entstanden unter anderem:

  • Worlds Across

  • Grrr!

  • Sketchbook Berlin

  • Krähen

Einige dieser Arbeiten erschienen bei Tokyopop.

Damit zeigt sich, wie vielseitig Neukamm tatsächlich arbeitet: klassische Comics, MAD-Satire, Horror, Manga und eigene Serien.

Das Comicwerk

Eine weitere wichtige Station ist das Comicwerk.

Der Künstlerzusammenschluss wurde 2001 gegründet, um jungen Talenten und etablierten Comiczeichnern eine gemeinsame Plattform zu bieten. Im Online-Magazin „LOA“ erschienen mehr als 50 Ausgaben, später wurden auch Hefte und Alben unter dem Comicwerk-Label veröffentlicht.

Zu den dort veröffentlichten Reihen gehören unter anderem „Alina Fox“ und „Biien der Schatten“.

Auch Jahrzehnte später ist Neukamm weiterhin eng mit dem Comicwerk verbunden.

Noch immer aktiv

Dass Guido Neukamm keineswegs nur zur Vergangenheit der deutschen Comicszene gehört, zeigt der Internationale Comic-Salon Erlangen 2026.

Dort war er am Comicwerk-Stand vertreten und absolvierte an mehreren Tagen Signierstunden.

Damit gehört er zu den Künstlern, die die deutsche Comicszene über Jahrzehnte begleitet haben – von den klassischen MAD-Jahren bis in die Gegenwart.

Ein wichtiger Name des deutschen MAD

Für amerikanische MAD-Fans mag Guido Neukamm kein so bekannter Name sein wie Don Martin, Al Jaffee oder Sergio Aragonés.

Für Sammler der deutschen MAD-Ausgabe sieht das anders aus.

Mehr als 20 Jahre Mitarbeit bedeuten, dass seine Zeichnungen einen erheblichen Teil der deutschen MAD-Geschichte begleitet haben.

Und gerade deshalb lohnt es sich beim Durchblättern alter Ausgaben, einmal genauer auf die Credits zu achten.

Denn hinter vielen deutschen Parodien, Film-Gags und satirischen Zeichnungen findet man immer wieder denselben Namen:

Guido Neukamm.