Greg Leitman – einer der Männer hinter den Kulissen von MAD
LEXIKON
Alfred E. Neumann
8/26/20264 min read


Bei MAD kennt man vor allem die großen Zeichner: Mort Drucker, Don Martin, Al Jaffee, Sergio Aragonés oder Tom Richmond. Doch ein Magazin voller Parodien, verrückter Überschriften und absurder Einfälle braucht ebenso Menschen, die genau diesen Unsinn schreiben und redaktionell betreuen.
Einer davon war Greg Leitman.
Über Leitmans persönliches Leben ist erstaunlich wenig öffentlich dokumentiert. Weder ein ausführlicher Lebenslauf noch verlässliche Angaben zu Geburtsjahr oder Ausbildung sind leicht zugänglich. Seine Arbeit bei MAD lässt sich dagegen ziemlich genau nachvollziehen – und zeigt, dass er in den 2000er-Jahren weit mehr war als nur ein gelegentlicher Autor.
Der Einstieg bei MAD
Der erste dokumentierte reguläre MAD-Beitrag von Greg Leitman erschien in MAD Nr. 406 vom Juni 2001.
Der Titel lautete:
„What Else Is Physically Wrong With Vice-President Dick Cheney?“
Leitman schrieb den Text, Scott Bricher lieferte die Zeichnungen. Schon das Thema zeigt sehr gut, welche Art von Humor bei MAD zu dieser Zeit gefragt war: aktuelle amerikanische Politik, kombiniert mit möglichst respektloser Übertreibung.
Kurz darauf folgte „Rejected Reality TV Shows“ in MAD Nr. 407, illustriert von Hermann Mejia. Dazu kamen zahlreiche Beiträge für die damalige MAD-Online- beziehungsweise „Best of the Web“-Rubrik.
Damit war Leitman ziemlich genau dort angekommen, wo MAD Anfang der 2000er-Jahre besonders aktiv war: mitten zwischen Reality-TV, Popmusik, Politik, Internetkultur und Hollywood.
Die „20 Dumbest“ – das Jahr im MAD-Rückspiegel
Leitman gehörte auch zu den Autoren der berühmten Jahresabrechnungen:
„The 20 Dumbest People, Events and Things“
Für die Ausgabe über das Jahr 2001 schrieb er beispielsweise Satiren über Anne Heche, P. Diddys Namenswechsel, das gemeinsame Auftreten von Elton John und Eminem sowie den Weltraumtouristen Dennis Tito.
Diese Beiträge gehörten zu den typischsten MAD-Seiten jener Zeit.
Das Magazin nahm die großen Schlagzeilen des vergangenen Jahres – und stellte anschließend die Frage, wie man sie noch ein wenig dümmer aussehen lassen konnte.
Für einen MAD-Autor war das eine ideale Spielwiese.
Wenn Hollywood auf dem Schneideraumboden landet
Eine weitere Spezialität Leitmans waren Beiträge mit angeblich herausgeschnittenen Szenen aus bekannten Filmen.
In MAD Nr. 426 vom Februar 2003 schrieb er beispielsweise:
„Shocking, Uncensored Outtakes from Eminem’s 8 Mile“
Dafür wurden Standbilder aus dem Film mit neuen, absurden Bildunterschriften versehen.
Weitere Leitman-Beiträge dieser Art beschäftigten sich unter anderem mit Harry Potter, Star Wars: Episode II, X2 und anderen großen Filmen jener Jahre.
Das Konzept war herrlich einfach: Man nahm Bilder, die der Leser sofort erkannte, und behauptete anschließend, genau diese vollkommen idiotische Szene sei aus dem fertigen Film herausgeschnitten worden.
Sehr MAD.
Vom Autor zum Associate Editor
Spätestens Anfang 2003 gehörte Greg Leitman dann offiziell zur MAD-Redaktion.
Die MAD Cover Site führt ihn als Associate Editor von MAD Nr. 426 bis Nr. 487 – also von Februar 2003 bis März 2008.
In den Ausgaben dieser Zeit arbeitete er unter anderem neben John Ficarra, Nick Meglin, Charlie Kadau, Joe Raiola, Amy Vozeolas und Dave Croatto. In MAD Nr. 430 vom Juni 2003 ist er beispielsweise ausdrücklich als Associate Editor im Impressum aufgeführt; dasselbe gilt für zahlreiche spätere Ausgaben.
Damit veränderte sich seine Rolle entscheidend.
Leitman schrieb nicht mehr nur Gags für das Magazin. Er gehörte zu den Menschen, die MAD redaktionell produzierten.
Das bedeutet: Ideen prüfen, Texte bearbeiten, Beiträge koordinieren, mit Autoren und Zeichnern zusammenarbeiten – und vermutlich dafür sorgen, dass der ganze Wahnsinn am Ende tatsächlich pünktlich gedruckt werden konnte.
Greg Leitman trifft „Scrubs“
Eine besonders schöne Geschichte über Leitman verdanken wir dem MAD-Zeichner Tom Richmond.
Für MAD Nr. 426 zeichnete Richmond die große Fernsehparodie auf „Scrubs“, geschrieben von Charlie Kadau. In einer der Szenen versteckte Richmond einige Insider-Gags.
Einer der dargestellten Männer ist tatsächlich Greg Leitman.
Warum?
Leitman war laut Richmond während des Studiums Zimmergenosse von Zach Braff, dem späteren Hauptdarsteller von Scrubs. Richmond setzte ihn deshalb als kleinen Insider-Auftritt in die Parodie.
Für MAD-Fans ist das eine wunderbare Kleinigkeit:
Ein MAD-Redakteur landet als versteckte Figur in einer MAD-Parodie einer Serie, deren Hauptdarsteller früher sein College-Mitbewohner war.
Genau solche Geschichten machen die Redaktion hinter dem Magazin so interessant.
American Idol, Harry Potter und die Fantastic Four
Auch während seiner Zeit als Redakteur schrieb Leitman weiter.
Zu seinen späteren Arbeiten gehören beispielsweise „MAD’s Suggestions for Improving American Idol“, „Harry Potter and the Outtakes of Azkaban“ und „The Fantastic Four Has a Crap-Tastic Two Weeks!“.
Seine Themen spiegeln damit ziemlich genau die amerikanische Popkultur der 2000er-Jahre wider.
Reality-TV?
MAD war da.
Harry Potter?
Natürlich.
Superhelden?
Selbstverständlich.
Und irgendwo in der Redaktion saß Greg Leitman und versuchte vermutlich herauszufinden, wie man das Ganze noch ein bisschen absurder machen konnte.
Ein MAD-Mitarbeiter ohne Porträt
Etwas ungewöhnlich ist, wie wenig Bildmaterial von Greg Leitman heute auffindbar ist.
Die große MAD-Datenbank MADtrash bittet auf seiner Leitman-Seite sogar ausdrücklich um Hilfe bei der Suche nach einem Foto von ihm.
Das passt auf gewisse Weise zu seiner Rolle.
Während die Zeichner mit ihren Signaturen und unverwechselbaren Stilen sichtbar waren, arbeiteten Redakteure und Autoren oft weit weniger öffentlich.
Dabei wären die MAD-Ausgaben ohne sie niemals entstanden.
Einer der unsichtbaren „Idiots“
Greg Leitman gehört nicht zu den Namen, die ein durchschnittlicher MAD-Leser sofort kennt.
Aber wer die Credits der amerikanischen Ausgaben aus den frühen und mittleren 2000er-Jahren genauer liest, begegnet ihm immer wieder.
Als Autor, als Ideengeber und über mehrere Jahre als Associate Editor gehörte er zu jener Generation von MAD-Mitarbeitern, die das Magazin durch eine Zeit führte, in der Reality-TV, Internetkultur, Harry Potter, Superheldenfilme und politische Satire immer wichtiger wurden.
Und vielleicht ist genau das der passende Platz für Greg Leitman in unserer Reihe:
Nicht jeder aus der „Usual Gang of Idiots“ musste zeichnen können.
Einige mussten sich den ganzen Blödsinn schließlich erst ausdenken.
