Glen Le Lievre – australischer Cartoonist mit MAD-Humor

LEXIKON

Alfred E. Neumann

8/25/20262 min read

Glen Le Lievre gehört zu den australischen Cartoonisten, die sowohl in der klassischen Zeitungssatire als auch bei MAD ihren Platz gefunden haben. Sein Stil ist locker, schnell, pointiert und stark auf den unmittelbaren Gag ausgerichtet – ganz anders als die hyperrealistischen Karikaturen eines Drew Friedman oder die extremen Figuren eines Don Martin.

Le Lievre arbeitete viele Jahre als Cartoonist und Illustrator und veröffentlichte unter anderem in The Sydney Morning Herald, The Age, Australian Financial Review, The New Yorker, TIME, Private Eye, The Wall Street Journal und Australian MAD. Nach rund zehn Jahren in den USA kehrte er nach Sydney zurück.

Vom Zeitungscartoon zu MAD

Seine Arbeit für MAD ist gut dokumentiert.

In den 2000er-Jahren tauchte Le Lievre regelmäßig auf den Fundalini Pages des amerikanischen MAD auf. Dort schrieb und zeichnete er unter anderem die wiederkehrende Rubrik:

„LeLievre And Let LeLievre“

In MAD Nr. 502 ist er dafür als Autor, Zeichner, Tuscher und Kolorist geführt. Auch in MAD Nr. 506 und Nr. 508 war die Rubrik wieder vertreten.

Gerade diese kurzen Beiträge passen hervorragend zu seinem Stil: wenige Bilder, schnelle Pointe, klare Körpersprache und ein Humor, der ohne große Vorbereitung funktioniert.

Ein klassischer Gag-Cartoonist

Le Lievres Stärke liegt weniger in langen Comicgeschichten als im Single-Gag-Cartoon.

Eine Situation wird aufgebaut, eine Figur sagt oder tut etwas – und die Pointe sitzt.

Diese Fähigkeit ist in der Cartoonwelt besonders anspruchsvoll, denn der Leser muss die Situation innerhalb weniger Sekunden verstehen. Genau darin war Le Lievre so erfolgreich, dass er bereits in den 1990er-Jahren mit einem Stanley Award als bester Single-Gag-Künstler ausgezeichnet wurde.

Später folgten weitere Stanley Awards. Insgesamt gewann er vier dieser renommierten australischen Cartoonpreise, darunter 2016 den Gold Stanley.

Politische Satire aus Australien

Neben MAD entwickelte sich Le Lievre vor allem zu einem wichtigen politischen Cartoonisten.

Seine Zeichnungen kommentieren australische Politik, Gesellschaft und aktuelle Ereignisse. Dabei arbeitet er mit genau jener Mischung, die auch MAD jahrzehntelang ausgezeichnet hat:

Übertreibung, Vereinfachung und ein klarer visueller Gag.

2021 wurde Glen Le Lievre vom australischen Museum of Australian Democracy zum Political Cartoonist of the Year gewählt.

International erfolgreich

Bemerkenswert ist, wie international seine Karriere verlief.

Seine Cartoons erschienen nicht nur in australischen Zeitungen, sondern auch in renommierten internationalen Publikationen wie The New Yorker, TIME, Private Eye und The Wall Street Journal.

Damit gehört Le Lievre zu jener kleinen Gruppe australischer Cartoonisten, deren Arbeiten auch außerhalb ihres Heimatlandes regelmäßig veröffentlicht wurden.

Glen Le Lievre und MAD

Für MAD war er besonders interessant, weil er praktisch alles selbst übernehmen konnte:

Idee, Text, Zeichnung und Tusche.

Bei mehreren seiner Fundalini-Beiträge wird er entsprechend gleichzeitig als Autor, Zeichner und Tuscher aufgeführt.

Damit knüpft er an eine klassische Cartoontradition an, bei der der Künstler nicht nur eine fremde Idee illustriert, sondern die Pointe vollständig selbst entwickelt.

Ein australischer Teil der „Usual Gang of Idiots“

Glen Le Lievre gehört sicherlich nicht zu den Namen, die man zuerst nennt, wenn man an MAD denkt.

Doch gerade solche Künstler zeigen, wie international das Magazin im Laufe seiner Geschichte geworden ist.

Ein australischer Cartoonist, der für amerikanische und australische MAD-Ausgaben arbeitete, gleichzeitig im New Yorker und in großen Tageszeitungen erschien und politische Karikaturen zeichnete, passt hervorragend in die lange Geschichte der „Usual Gang of Idiots“.

Und vielleicht beschreibt sein Stil auch ganz gut, was ein guter MAD-Cartoon leisten muss:

Nicht lange erklären. Zeichnen. Pointe setzen. Weiter.