Frank Kelly Freas – der Mann, der Alfred E. Neumann das Grinsen gab

LEXIKON

Alfred E. Neumann

8/2/20265 min read

Doch für uns MAD-Fans beginnt der interessanteste Teil seiner Karriere einige Jahre später.

Frank Kelly Freas kommt zu MAD

Sein erster Beitrag für das amerikanische MAD erschien bereits in MAD Nr. 31 vom Februar 1957: der „Ink Blot Test“, an dem auch Will Elder beteiligt war. Danach folgten weitere Illustrationen und vor allem jene Werbeparodien, die in dieser Zeit zu den Markenzeichen des Magazins gehörten.

Im Juli 1958 übernahm Freas mit MAD Nr. 40 schließlich eine besonders prestigeträchtige Aufgabe: Er wurde Titelbildzeichner.

Und damit begann eine der interessantesten Phasen in der Geschichte von Alfred E. Neuman.

30 klassische MAD-Cover

Von MAD Nr. 40 bis Nr. 74 schuf Frank Kelly Freas insgesamt 30 reguläre Titelbilder für das Magazin. Auch MAD selbst erinnerte nach seinem Tod ausdrücklich an diese 30 Cover.

Seine Titelbilder waren dabei weit mehr als bloße Variationen des bekannten Alfred-Porträts.

Freas setzte Alfred in immer neue Situationen. Mal verliebt, mal betrunken, mal als Vogelscheuche, mal Bestandteil einer absurden Alltagsszene. Schon die ersten Cover zeigen diese enorme Bandbreite:

MAD Nr. 40 zeigt Alfred auf einer Hochzeitstorte, Nr. 41 spielt mit einem

Malen-nach-Zahlen-Motiv, Nr. 42 verwandelt ihn in einen kuriosen

Flaschenverschluss und bei Nr. 43 begegnet uns Alfred als Vogelscheuche.

Gerade diese Variabilität machte den Alfred von Kelly Freas so besonders.

Ein Alfred E. Neuman mit Persönlichkeit

Wer Cover verschiedener MAD-Künstler nebeneinanderlegt, erkennt schnell Unterschiede.

Norman Mingo prägte jenes Alfred-Gesicht, das für Generationen zum beinahe offiziellen Erscheinungsbild des Magazins wurde. Kelly Freas ging mit der Figur freier um. Sein Alfred durfte sich verändern. Gesichtsausdruck, Haltung und sogar einzelne Gesichtszüge wurden dem jeweiligen Witz des Covers angepasst.

Genau das machte seine Bilder so lebendig.

Freas gehörte zudem zu den MAD-Coverkünstlern, die teilweise selbst an der Entwicklung der Bildideen beteiligt waren. Dadurch wirkten seine Cover nicht wie ein fertiger Witz, auf den Alfred anschließend aufgeklebt wurde. Figur und Pointe bildeten eine Einheit.

Für Sammler ist das besonders reizvoll: Ein Freas-Cover erkennt man häufig schon, bevor man irgendwo seine Signatur entdeckt hat.

Kelly Freas und das deutsche MAD

Auch deutsche MAD-Leser begegneten seinen Bildern – teilweise viele Jahre nach ihrer amerikanischen Erstveröffentlichung.

Ein schönes Beispiel ist das deutsche MAD Nr. 8. Das verwendete „Aprilwetter“-Motiv stammt ursprünglich vom Cover des amerikanischen MAD Nr. 63. Auch Freas' „Ink Blot Test“, sein erster US-MAD-Beitrag überhaupt, erschien in dieser deutschen Ausgabe.

Noch kurioser wird es bei Deutsches MAD Nr. 61 vom Mai 1974. Dort wurde ein älteres Freas-Motiv wiederverwendet, das ursprünglich das Cover des amerikanischen MAD Nr. 45 vom März 1959 schmückte: ein verliebter Alfred mit roten Ohren neben seiner Freundin „Moxie“.

Für deutsche Sammler ergibt sich dadurch ein interessantes eigenes Sammelgebiet: Welche klassischen amerikanischen Freas-Motive wurden später für das deutsche MAD wiederverwendet?

Von Alfred E. Neuman bis Queen

Wer Frank Kelly Freas ausschließlich als MAD-Zeichner kennt, unterschätzt seine Bedeutung allerdings gewaltig.

In der Science-Fiction-Szene war Freas längst eine Institution. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt ein Titelbild für die Oktoberausgabe 1953 von Astounding Science Fiction. Darauf hält ein riesiger Roboter einen verletzten beziehungsweise leblosen Menschen in seiner Hand.

Mehr als zwei Jahrzehnte später entdeckte Queen-Schlagzeuger Roger Taylor das Motiv.

Queen kontaktierte Freas und bat ihn, die Illustration für das 1977 erschienene Album „News of the World“ neu zu gestalten. Aus dem einzelnen Menschen wurden schließlich die Mitglieder von Queen – und eines der berühmtesten Plattencover der Rockgeschichte war geboren. Queen bestätigt selbst, dass das Albumcover auf der älteren Freas-Illustration basiert und von ihm für die Band entsprechend umgearbeitet wurde.

Damit stammt das Bild zu einem Album mit „We Will Rock You“ und „We Are the Champions“ ausgerechnet von einem Künstler, der wenige Jahre zuvor noch Alfred E. Neuman malte.

Wenn das nicht MAD genug ist.

Von MAD bis zur NASA

Auch damit ist die Bandbreite seiner Karriere noch nicht vollständig beschrieben.

Freas arbeitete unter anderem an Insignien und Werbemotiven für das amerikanische Raumfahrtprogramm und Skylab. Gleichzeitig entstanden Science-Fiction-Cover, Fantasy-Illustrationen, Spielezeichnungen, medizinische Illustrationen und sogar Hunderte religiöse Porträts.

Der Mann konnte also am einen Tag einen Heiligen malen, am nächsten ein außerirdisches Wesen und anschließend Alfred E. Neuman.

Eine bemerkenswerte Karriere.

Einer der erfolgreichsten Science-Fiction-Künstler überhaupt

Auch die Zahl seiner Auszeichnungen zeigt, welchen Stellenwert Freas in der amerikanischen Illustrationskunst besitzt.

Er gewann im Laufe seiner Karriere zehn reguläre Hugo Awards als Künstler; hinzu kam später noch ein Retro Hugo. Bereits 1958 wurde er beispielsweise als „Outstanding Artist“ ausgezeichnet.

Sein Ruf als einer der großen Science-Fiction-Illustratoren seiner Generation ist deshalb keineswegs nur eine nachträgliche Bewertung von Fans.

Warum verließ Freas MAD?

Die Zusammenarbeit mit MAD dauerte nicht ewig.

Freas erklärte später, das ständige Zeichnen Alfred E. Neumans habe ihn künstlerisch zunehmend eingeschränkt. Hinzu kam, dass der Wechsel zwischen seinen ernsthaften Science-Fiction-Arbeiten und der völlig anderen Welt der MAD-Satire für ihn offenbar immer schwieriger wurde.

Rückblickend erscheint seine Zeit bei MAD erstaunlich kurz.

Gerade einmal wenige Jahre.

Und trotzdem hinterließ er Bilder, die mehr als sechs Jahrzehnte später noch gesammelt, gehandelt und diskutiert werden.

Was macht die MAD-Cover von Kelly Freas so besonders?

Vielleicht ist es genau die Mischung.

Freas war kein klassischer Cartoonist, der zufällig ein paar Titelbilder malte. Er kam aus der realistischen Science-Fiction- und Werbeillustration. Deshalb besitzen seine MAD-Cover eine fast gemäldeartige Qualität.

Haut, Kleidung, Gegenstände und Hintergründe wirken plastisch. Gleichzeitig wird diese technische Perfektion für vollkommen absurden Unsinn eingesetzt.

Und mitten darin sitzt Alfred.

Mit Sommersprossen.

Mit Segelohren.

Mit Zahnlücke.

Und diesem Gesichtsausdruck, der seit Jahrzehnten dieselbe Botschaft vermittelt:

„What, Me Worry?“

Frank Kelly Freas starb am 2. Januar 2005 im Alter von 82 Jahren. MAD würdigte ihn kurz darauf in MAD Nr. 452 und erinnerte seine Leser an den Künstler und seine 30 Titelbilder.

Ein Künstler, den MAD-Sammler kennen sollten

Norman Mingo mag für viele Fans das endgültige Gesicht Alfred E. Neumans geschaffen haben. Künstler wie Don Martin, Sergio Aragonés, Mort Drucker oder Dave Berg prägten wiederum das Innere des Magazins.

Frank Kelly Freas nimmt innerhalb dieser Geschichte eine ganz eigene Position ein.

Er brachte die Welt der großen amerikanischen Illustration zu MAD und bewies, dass man technisch brillante Malerei auch dafür verwenden konnte, einen rothaarigen Jungen mit abstehenden Ohren möglichst überzeugend lächerlich aussehen zu lassen.

Für einen MAD-Künstler dürfte es kaum ein schöneres Kompliment geben.

Sein erstes Titelbild für Weird Tales erschien 1950. In den folgenden Jahrzehnten gestaltete er Hunderte Buch- und Magazincover und arbeitete unter anderem für Astounding Science Fiction, später Analog. Bemerkenswert war seine Arbeitsweise: Während in der kommerziellen Illustration häufig mit Airbrush gearbeitet wurde, bevorzugte Freas vielfach den klassischen Pinsel und kräftige, sichtbare Pinselstriche.

Wer sich mit den klassischen Jahren des MAD Magazins beschäftigt, kommt an seinem Namen kaum vorbei: Frank Kelly Freas. Zwischen Science-Fiction-Robotern, Raumfahrt, Buchcovern und preisgekrönter Fantastik fand der amerikanische Illustrator auch noch Zeit, einem gewissen rothaarigen Jungen mit Segelohren immer neue Gesichter zu verpassen.

Für viele MAD-Sammler gehören die Titelbilder von Kelly Freas heute zu den schönsten und charakteristischsten Covern der frühen Magazin-Ära.

Vom Science-Fiction-Künstler zum MAD-Zeichner

Frank Kelly Freas wurde am 27. August 1922 in Hornell im US-Bundesstaat New York geboren. Schon während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er bei den United States Army Air Forces unter anderem als Kameramann bei Aufklärungsflügen und bemalte Flugzeuge. Nach dem Krieg entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten amerikanischen Science-Fiction-Illustratoren des 20. Jahrhunderts.