Don Martin – MADs „Maddest Artist“
LEXIKON
Alfred E. Neumann
8/22/20263 min read


Wenn es einen Zeichner gibt, dessen Stil man schon nach wenigen Strichen erkennt, dann ist es Don Martin.
Mit seinen absurd langen Füßen, krummen Körpern, verdrehten Gesichtern und völlig verrückten Geräuschwörtern wurde er zu einem der bekanntesten Künstler in der Geschichte von MAD. Über Jahrzehnte gehörten seine Seiten für viele Leser zu den Höhepunkten jeder Ausgabe.
Don Martin wurde am 18. Mai 1931 in Paterson, New Jersey, geboren. Er besuchte die Newark Art School und später die Pennsylvania Academy of the Fine Arts. Bevor er zu MAD kam, arbeitete er unter anderem als Illustrator für Schallplattenhüllen, Postkarten und Science-Fiction-Magazine.
Seit 1956 bei MAD
Martins erste Arbeiten erschienen bereits 1956 in MAD. In MAD Nr. 29 vom September 1956 war er an „Alfred E. Neuman Answers Your Questions“ beteiligt. Kurz darauf bekam er immer mehr Raum für eigene Beiträge.
Schon bald wurde aus ihm weit mehr als nur ein weiterer Zeichner der „Usual Gang of Idiots“.
Er bekam sogar eine eigene Rubrik:
„Don Martin Dept.“
Das war außergewöhnlich, denn kaum ein anderer MAD-Künstler wurde so stark als eigene Marke innerhalb des Magazins aufgebaut.
Der unverwechselbare Don-Martin-Stil
Martins Figuren sehen aus, als wären ihre Knochen aus Gummi.
Die Köpfe sind oft viel zu groß oder zu klein, Nasen hängen über den Mund, Knie knicken in unmöglichen Winkeln und Füße wirken wie zusammengefaltete Lederschuhe.
Doch besonders berühmt wurden seine Sound Effects.
Statt eines einfachen „Bumm!“ oder „Peng!“ erfand Martin Geräusche wie:
FWOOP!
SKLORP!
PLOOBADOOP!
GASHKLIT!
Die MAD Cover Site dokumentiert sogar ein eigenes „Don Martin Dictionary“ mit rund 1.200 verschiedenen Geräuschwörtern.
Diese Lautmalereien waren nicht nur Begleiterscheinungen seiner Comics. Sie waren ein zentraler Bestandteil der Pointe.
Fester Bestertester und Captain Klutz
Don Martin erschuf im Laufe seiner Karriere zahlreiche wiederkehrende Figuren.
Zu den bekanntesten gehört Fester Bestertester, ein kleiner, gebeugter Mann mit übergroßer Nase, der regelmäßig Opfer absurder Missgeschicke wird.
Daneben gab es Captain Klutz, eine Parodie auf klassische Superhelden. Captain Klutz besitzt zwar die typische Heldenpose – aber praktisch keine der Fähigkeiten, die man von einem Superhelden erwarten würde.
Martin liebte es, vermeintlich heroische Situationen in völliges Chaos zu verwandeln.
Vom Einseiter zum eigenen Buch
Don Martins Popularität war so groß, dass MAD ihm zahlreiche eigene Sammelbände widmete.
Bereits 1974 erschien „The Completely MAD Don Martin“, eine umfangreiche Sammlung seiner Arbeiten. Später folgten zahlreiche weitere Bücher mit Titeln wie MAD’s Don Martin Forges Ahead.
Noch Jahrzehnte später veröffentlichte MAD neue große Sammlungen, darunter „MAD’s Greatest Artists – The Completely MAD Don Martin“ von 2007 und eine weitere Don-Martin-Ausgabe von 2014.
Das zeigt, welchen Stellenwert er innerhalb der MAD-Geschichte besitzt.
„MAD’s Maddest Artist“
Martin wurde schließlich offiziell als
„MAD’s Maddest Artist“
vermarktet.
Und dieser Titel passte perfekt.
Während Mort Drucker für präzise Karikaturen berühmt war, Al Jaffee für geniale Ideen und Sergio Aragonés für seine winzigen Randzeichnungen, war Don Martin der Meister des reinen visuellen Irrsinns.
Bei ihm konnte ein einfacher Zahnarztbesuch, ein Spaziergang oder ein Mittagessen innerhalb weniger Bilder in einer grotesken Katastrophe enden.
Der Bruch mit MAD
Nach mehr als 30 Jahren kam es Ende der 1980er-Jahre zum Bruch.
Martin verließ MAD nach einem Streit mit Verleger William M. Gaines über Rechte und finanzielle Fragen. Seine letzten neuen Beiträge erschienen 1988.
Anschließend wechselte er zum Konkurrenzmagazin Cracked, wo er mehrere Jahre weiterarbeitete. Später veröffentlichte er sogar kurzzeitig ein eigenes Don Martin Magazine und zeichnete den Comicstrip „The Nutheads“.
Für viele MAD-Leser blieb sein Weggang dennoch ein großer Verlust.
Ein Stil, den niemand kopieren konnte
Im Laufe der Jahre verschlechterte sich Martins Sehvermögen, sodass er immer weniger zeichnen konnte.
Don Martin starb am 6. Januar 2000 in Florida.
Sein Einfluss ist jedoch bis heute sichtbar. Zahlreiche Cartoonisten und Animatoren nennen ihn als Inspiration. Seine Art, Körper zu verbiegen, Geräusche zu erfinden und alltägliche Situationen vollkommen eskalieren zu lassen, war einzigartig.
Für MAD-Fans bleibt Don Martin deshalb einer der ganz großen Namen.
Man muss nicht einmal seine Signatur sehen.
Ein schiefer Kopf, zwei riesige Füße und irgendwo ein
„FLOOBADAP!“
reichen völlig aus.
Dann weiß man:
Das kann nur Don Martin sein.
