Dieter Stein – deutscher MAD-Zeichner zwischen Filmparodie, Spion & Spion und Alfred E. Neumann

LEXIKON

Alfred E. Neumann

8/21/20263 min read

Dieter Stein gehört zu den prägenden deutschen Zeichnern der Herbert-Feuerstein-Ära von MAD. Der 1955 in Duisburg geborene Künstler, Illustrator und Comiczeichner arbeitete in den 1980er-Jahren regelmäßig für die deutsche Ausgabe und schuf dort zahlreiche eigene Beiträge, Film- und Fernsehparodien sowie später auch „Spion & Spion“-Geschichten.

Von Fix & Foxi zu MAD

Bevor Stein zu MAD kam, arbeitete er bereits für Fix & Foxi und andere Comicproduktionen. Seine künstlerische Ausbildung verlief ungewöhnlich: Er erlernte zunächst die Berufe Lithograf und Fotograf, arbeitete als Retuscheur und zeichnete sich vieles autodidaktisch an. Schon als Kind kopierte er Wilhelm Busch und begann früh mit Ölmalerei und eigenen Comics.

Seine MAD-Karriere begann Anfang der 1980er-Jahre. Stein selbst erinnerte sich später, dass es anfangs möglicherweise kleinere, nicht signierte Arbeiten gegeben habe; sein erster eindeutig zuordenbarer größerer Beitrag lässt sich etwas später finden.

Film- und Fernsehparodien auf Deutsch

Besonders gerne zeichnete Stein die deutschen Film- und Fernsehparodien. Dazu gehörten beispielsweise:

„Fadort“ als Parodie auf Tatort,
„Blindenstraße“ als Seitenhieb auf Lindenstraße,
„Der letzte Derrick“
und eine Parodie auf „Die unendliche Geschichte“.

Gerade diese Beiträge zeigen eine Besonderheit des deutschen MAD: Es wurden nicht einfach nur amerikanische Inhalte übersetzt. Unter Herbert Feuerstein entstanden zunehmend eigene Beiträge zu deutscher Politik, Fernsehen und Popkultur.

Stein berichtete später, dass er für seine erste große Filmparodie sogar mit einer Kamera ins Kino ging, um Szenen als zeichnerische Vorlage festzuhalten. Später half ihm der Videorekorder dabei, Gesichter und Szenen aus Standbildern zu studieren.

Herbert Feuerstein – streng beim Text, großzügig beim Zeichnen

Dieter Stein arbeitete eng mit Herbert Feuerstein zusammen.

Über seinen damaligen Chefredakteur sagte er sinngemäß, dass an Feuerstein textlich „kein Komma vorbeiging“. Als Zeichner habe Stein dagegen vergleichsweise große Freiheiten gehabt. Vorzeichnungen wurden gelegentlich verändert oder ergänzt, seine Reinzeichnungen mit Feder und Tusche wurden anschließend aber meist ohne größere Eingriffe übernommen.

Als zeichnerisches Vorbild nannte Stein vor allem Mort Drucker. Den Humor von Don Martin bezeichnete er ebenfalls als besonders beeindruckend. Beim deutschen MAD schätzte er vor allem die Titelbilder von Rolf Trautmann.

Dieter Stein und „Spion & Spion“

Ein besonders interessanter Teil seiner MAD-Arbeit betrifft „Spion & Spion“.

Als Antonio Prohías aus gesundheitlichen Gründen keine neuen Strips mehr zeichnen konnte, entstanden für das deutsche MAD eigene Geschichten. Stein erklärte später, dass er in den letzten Jahren seiner MAD-Tätigkeit die deutschen Spion-&-Spion-Beiträge zeichnete und zum Teil auch selbst mitentwickelte.

Noch bemerkenswerter ist das Spion-&-Spion-Spiel: Dieter Stein arbeitete dabei gemeinsam mit Herbert Feuerstein und dem berühmten Spieleautor Alex Randolph an Konzept, Gestaltung und Zeichnungen.

Für Sammler ist das ein schönes Beispiel dafür, wie eigenständig die deutsche MAD-Produktion zeitweise geworden war.

Nach MAD: Illustration, Fernsehen und Malerei

Nach seiner Zeit bei MAD blieb Stein als Zeichner und Illustrator aktiv. Er arbeitete unter anderem für Bunte, Focus, das Bike-Magazin, Werbeagenturen und Fernsehsender.

Eine seiner bekanntesten Arbeiten außerhalb von MAD entstand 1999 für Stefan Raabs Sendung TV total: Stein entwarf den „Raab der Woche“, jene charakteristische Trophäe, die über viele Jahre zur Sendung gehörte.

Daneben widmete er sich immer stärker der gegenständlichen Malerei und arbeitete als Porträtmaler, Dozent, Fotograf und Webdesigner. Zu seinen Porträtierten gehörte unter anderem Franz Herzog von Bayern.

Ein wichtiger Zeichner des deutschen MAD

Dieter Stein steht für eine Phase, in der das deutsche MAD unter Herbert Feuerstein eine sehr eigene Identität entwickelte.

Er zeichnete deutsche Fernsehstars, Filmparodien, Alltagssatire und eigene „Spion & Spion“-Geschichten – und gehörte damit zu jener Gruppe deutscher Künstler, die MAD hierzulande weit mehr als eine bloße Übersetzung des amerikanischen Originals werden ließen.

Gerade für Sammler des klassischen deutschen MAD lohnt es sich deshalb, bei Ausgaben aus den 1980er-Jahren auf seinen Namen und seine Signatur zu achten.

Dieter Stein war nicht einfach nur ein MAD-Zeichner – er war einer der Künstler, die dem deutschen MAD ein eigenes Gesicht gaben.