Dick DeBartolo – „MAD’s Maddest Writer“
LEXIKON
Alfred E. Neumann
8/19/20263 min read


Wenn es bei MAD einen Autor gibt, dessen Name fast so häufig auftaucht wie Alfred E. Neumann selbst, dann ist es Dick DeBartolo.
Der in Brooklyn geborene Autor gehört zu den langlebigsten und produktivsten Mitarbeitern in der Geschichte des Magazins. Seine Verbindung zu MAD begann bereits Anfang der 1960er-Jahre – und sollte mehr als ein halbes Jahrhundert dauern.
Vom MAD-Leser zum MAD-Autor
DeBartolo war noch sehr jung, als er beschloss, nicht länger nur MAD zu lesen, sondern selbst dafür zu schreiben.
1961 schickte er der Redaktion ein Manuskript mit dem Titel „A TV Ad We Would Like to See“. Einige Wochen später kam sein eigener frankierter Rückumschlag zurück. DeBartolo war überzeugt, eine Absage erhalten zu haben.
Doch im Umschlag befand sich keine Ablehnung, sondern eine Nachricht der Redaktion – zusammen mit einem Scheck über 100 Dollar und der Aufforderung, weitere Ideen einzuschicken.
Sein erster veröffentlichter MAD-Beitrag erschien schließlich in MAD Nr. 69 vom März 1962 unter dem Titel „Some TV Ads We Never Got to See“. Die Zeichnungen stammten von Jack Rickard und Al Jaffee.
Eine unglaubliche Serie
Besonders beeindruckend ist DeBartolos Ausdauer.
Von 1966 bis 2019 erschien neues Material von ihm in 459 aufeinanderfolgenden MAD-Ausgaben. Nur Sergio Aragonés erreichte bei MAD eine noch längere vergleichbare Serie.
Zeitweise plante die Redaktion seine Beiträge sogar bewusst so, dass in jeder Ausgabe mindestens ein Text von ihm enthalten war.
Kein Wunder also, dass DeBartolo irgendwann den scherzhaften Titel
„MAD’s Maddest Writer“
erhielt – als schriftstellerisches Gegenstück zu Don Martins Bezeichnung als „MAD’s Maddest Artist“.
Der König der Film- und Fernsehparodien
Eine besondere Stärke DeBartolos waren Film- und Fernsehparodien.
Im Laufe seiner Karriere schrieb er weit über 250 Film- und TV-Parodien für MAD – mehr als jeder andere Autor des Magazins.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört die legendäre MAD-Version von Star Wars:
„Star Bores“
Die Parodie gefiel sogar George Lucas so gut, dass er DeBartolo einen Brief schrieb und scherzhaft meinte, es sollte einen eigenen Oscar für Satire geben. DeBartolo bewahrte diesen Brief später an einem eher ungewöhnlichen Ehrenplatz auf: in seinem Badezimmer.
Nicht nur Texte – auch Ideen für Alfred E. Neumann
DeBartolo schrieb nicht einfach nur fertige Artikel.
Er entwickelte Ideen für Titelbilder, arbeitete an Konzepten für das berühmte Fold-In von Al Jaffee mit und beteiligte sich an praktisch allen wichtigen Bereichen des Magazins.
Von 1984 bis 2009 war er außerdem offiziell Creative Consultant bei MAD.
Damit war er über Jahrzehnte nicht nur einer der Autoren, sondern einer der wichtigsten Ideengeber hinter den Kulissen.
Dick DeBartolo und „Match Game“
Parallel zu MAD machte DeBartolo noch eine zweite bemerkenswerte Karriere.
Er schrieb für zahlreiche amerikanische Fernsehshows – besonders bekannt wurde seine Arbeit für die Gameshow „Match Game“. Dort gehörte er zu den Autoren, die den berühmten zweideutigen und leicht anzüglichen Stil der Fragen entwickelten, für den die Sendung bekannt wurde.
Außerdem arbeitete er unter anderem an Tattletales, What’s My Line? und weiteren Goodson-Todman-Shows.
William M. Gaines im Fernsehen
Eine besonders schöne MAD-Geschichte ereignete sich 1971.
DeBartolo überredete MAD-Verleger William M. Gaines, in der Fernsehsendung „To Tell the Truth“ aufzutreten. Dort musste ein Prominentenpanel herausfinden, welcher von drei Männern tatsächlich der Verleger von MAD war.
Das Ergebnis?
Keiner erkannte Gaines.
Nach der Sendung erklärte eine Teilnehmerin sinngemäß, sie habe nach jemandem gesucht, der wie der Chef eines erfolgreichen Magazins aussehe – deshalb habe sie Gaines nicht gewählt.
Eine Geschichte, die kaum besser zu MAD passen könnte.
„Good Days and Mad“
1994 veröffentlichte DeBartolo das Buch:
„Good Days and Mad: A Hysterical Tour Behind the Scenes at Mad Magazine“
Darin erzählt er von seinen ersten rund 30 Jahren bei MAD und besonders von seiner Freundschaft mit William M. Gaines. Das Buch enthält zahlreiche Anekdoten über Reisen, Redaktionsalltag und die legendäre „Usual Gang of Idiots“.
Für MAD-Fans ist es deshalb eines der interessantesten Bücher überhaupt, wenn man wissen möchte, wie es hinter den Kulissen des Magazins wirklich zuging.
Vom MAD-Autor zum „Giz Wiz“
Auch im hohen Alter blieb DeBartolo aktiv.
Unter dem Namen „The Giz Wiz“ beschäftigt er sich seit Jahren mit ungewöhnlichen technischen Geräten und Gadgets. Gemeinsam mit Chad Johnson präsentiert er bis heute kuriose, nützliche und gelegentlich vollkommen unsinnige Erfindungen.
Seine Verbindung zu MAD ist dabei keineswegs abgerissen. Noch 2025 veranstaltete DeBartolo auf seiner Website sein Spiel „What the Heck Is It?“, bei dem Teilnehmer signierte MAD-Hefte gewinnen konnten.
Ein Stück lebende MAD-Geschichte
Dick DeBartolo arbeitete mit nahezu allen großen Namen des Magazins zusammen: mit Al Jaffee, Don Martin, Mort Drucker, Jack Davis, Sergio Aragonés und vielen anderen.
Mehr als fünf Jahrzehnte lang lieferte er Ideen, Texte, Filmparodien, Fernsehsatiren und Titelbildkonzepte.
Bei MAD standen die Zeichner häufig im Rampenlicht.
Doch hinter vielen der berühmtesten Bilder steckte zunächst ein Autor mit einer möglichst absurden Idee.
Und sehr häufig hieß dieser Autor:
Dick DeBartolo.
