Desmond Devlin – einer der produktivsten Autoren der MAD-Geschichte
LEXIKON
Alfred E. Neumann
8/20/20262 min read


Bei MAD stehen meistens die Zeichner im Mittelpunkt. Doch hinter vielen der berühmten Film- und Fernsehparodien steckt zunächst einmal jemand, der sich die ganzen verrückten Texte, Dialoge und Gags ausdenken musste.
Einer der wichtigsten Namen dabei ist Desmond Devlin.
Der amerikanische Comedy-Autor schreibt seit den 1980er-Jahren für MAD und gehört mit mehr als 450 namentlich gekennzeichneten Beiträgen zu den drei produktivsten nicht zeichnenden Autoren in der Geschichte des Magazins.
Die ersten Schritte bei MAD
Devlin begann bereits als sehr junger Autor für MAD zu schreiben. Sein erster in der MAD Cover Site aufgeführter Beitrag ist „The MAD 1984 Quiz“ in MAD Nr. 253 vom März 1985, illustriert beziehungsweise fotografisch umgesetzt von Irving Schild. Bereits in der darauffolgenden Ausgabe erschienen weitere Texte von ihm – darunter eine Zusammenarbeit mit Don Martin.
Damit begann eine MAD-Karriere, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken sollte.
Von Rockmusik bis zu Harry Potter
Devlin entwickelte zahlreiche wiederkehrende Rubriken, darunter:
„Badly-Needed Warning Labels for Rock Albums“,
„Melvin and Jenkins' Guide to…“,
„Chilling Thoughts“,
„Pop-Off Videos“,
„MAD Deconstructs Talk Shows“
und „Graphic Novel Review“.
Besonders bekannt wurde er jedoch als Autor von Film- und Fernsehparodien.
Mehr als 50 solcher Parodien stammen von ihm. Dabei schrieb er unter anderem die MAD-Versionen aller acht Harry-Potter-Filme sowie sämtliche sechs Filme der Herr-der-Ringe- und Hobbit-Reihen.
Damit gehört Devlin zu den Autoren, die einen erheblichen Teil der modernen MAD-Filmparodien geprägt haben.
Wenn aus „Beavis & Butt-Head“ Politik wird
Wie breit Devlins Themen waren, zeigt beispielsweise MAD Nr. 325 von 1994. Dort schrieb er den Beitrag „When the Beavis & Butt-Head Phenomenon Spreads Into Politics“, gezeichnet von Sam Viviano. Auch die Idee zum Titelbild dieser Ausgabe stammte von Devlin.
Seine Arbeit bestand also keineswegs nur darin, fertige Filmparodien mit Dialogen zu versehen. Devlin lieferte auch Konzepte, Titelbildideen und gesellschaftliche Satire.
Zusammenarbeit mit den großen MAD-Zeichnern
Als Autor arbeitete Devlin mit zahlreichen Mitgliedern der „Usual Gang of Idiots“ zusammen.
In seiner Bibliografie finden sich Namen wie Don Martin, Jack Davis, Al Jaffee, Sam Viviano, Angelo Torres, Rick Tulka und später Tom Richmond.
Gerade bei den großen Filmparodien funktionierte MAD traditionell als Teamarbeit: Der Autor entwickelte Handlung, Gags und Dialoge, während der Zeichner die Schauspieler und Filmszenen in groteske MAD-Versionen verwandelte.
Devlin beherrschte dieses Zusammenspiel über Jahrzehnte.
Anerkennung für den Mann hinter den Pointen
Im Jahr 2001 wurde Desmond Devlin für seine Arbeit bei MAD für einen Harvey Award als bester Autor nominiert.
Das ist bemerkenswert, denn bei einem stark visuell geprägten Magazin wie MAD geraten die Autoren hinter den Zeichnungen leicht aus dem Blick.
Ohne ihre Texte hätte jedoch selbst der beste Mort-Drucker-, Angelo-Torres- oder Tom-Richmond-Lookalike nur halb so gut funktioniert.
„Claptrap“ – MAD-Parodien nach MAD
Als MAD 2019 weitgehend auf Nachdrucke älterer Beiträge umgestellt wurde, verschwand damit auch eine der großen Traditionen des Magazins: die neu gezeichnete Filmparodie.
Devlin wollte sich damit nicht abfinden.
Gemeinsam mit dem langjährigen MAD-Zeichner Tom Richmond startete er 2020 ein eigenes Projekt namens „Claptrap“. Darin entstanden neue Filmparodien genau in jener Tradition, die MAD jahrzehntelang gepflegt hatte. Das Projekt wurde über Crowdfunding finanziert und schließlich 2023 als Buch veröffentlicht.
Parodiert wurden unter anderem Filme wie Citizen Kane, Blade Runner, The Blues Brothers, Die Hard, Goodfellas, Psycho und The Big Lebowski.
Einer der großen MAD-Autoren
Desmond Devlin besitzt vielleicht nicht den gleichen Wiedererkennungswert wie Alfred E. Neumann oder die Zeichnungen von Don Martin und Sergio Aragonés.
Doch wer die Credits seiner MAD-Hefte genauer liest, entdeckt seinen Namen immer wieder.
Über 450 Beiträge, jahrzehntelange Mitarbeit und Dutzende Filmparodien machen ihn zu einem der bedeutendsten Autoren der späteren MAD-Geschichte.
Bei MAD zeichneten andere die verrückten Bilder – Desmond Devlin lieferte einen großen Teil des Wahnsinns dazu.
