Bob Eckstein – Cartoonist, Humorist und MAD-Mitwirkender
LEXIKON
Alfred E. Neumann
8/16/20262 min read
Bob Eckstein gehört zu jener jüngeren Generation amerikanischer Cartoonisten, die MAD in den 2010er-Jahren mit kurzen Gags und pointierten Illustrationen bereicherten. Dabei verlief sein Weg zum Cartoon erstaunlich ungewöhnlich: Eckstein begann erst relativ spät, klassische Gag-Cartoons zu zeichnen – nach eigener Aussage ungefähr im Alter von 45 Jahren. Zuvor hatte er bereits als Illustrator und Humorautor für verschiedene Magazine gearbeitet.
Vom New Yorker zu MAD
Ein wichtiger Impuls kam vom bekannten Cartoonisten Sam Gross, der Eckstein dazu ermunterte, eigene Cartoons beim New Yorker einzureichen. Gleich einer seiner ersten Versuche wurde angenommen. Danach konzentrierte er sich zunehmend auf Gag-Cartoons und veröffentlichte unter anderem im New Yorker, in der New York Times, im Wall Street Journal, in Playboy, National Lampoon – und schließlich auch in MAD.
Bei MAD tauchte Eckstein erstmals in MAD Nr. 519 vom Februar 2013 auf. Sein kurzer Beitrag gehörte zu den „Fundalini Pages“ und zeigte einen Obdachlosen mit einem Schild, auf dem ausgerechnet stand:
„Follow Me on Twitter.“
Typisch MAD: ein alltägliches Bild, kombiniert mit einem völlig absurden modernen Detail.
„Eckstein Marks the Spot!“
In den folgenden Jahren erschienen immer wieder kurze Cartoons von ihm in den Fundalini Pages. Die Beiträge wurden teilweise unter dem Titel:
„Eckstein Marks the Spot!“
geführt.
Zu seinen MAD-Gags gehörten beispielsweise Anspielungen auf King Kong, soziale Medien, Podcasts, Autoverkäufer und andere Alltagserscheinungen. Damit konzentrierte sich Eckstein weniger auf große mehrseitige Filmparodien als auf den klassischen Ein-Bild-Cartoon: eine Situation, eine Pointe – fertig.
Auch nach dem Neustart des amerikanischen MAD mit einer neuen Nummerierung im Jahr 2018 blieb Eckstein vertreten. Beiträge von ihm erschienen beispielsweise in den neuen Ausgaben MAD Nr. 1 und Nr. 2 sowie später in Nr. 7 und Nr. 8. Einige seiner politischen Cartoons wurden außerdem in dem Sammelband „MAD About the Trump Era“ veröffentlicht.
Der Mann mit den Schneemännern
Außerhalb von MAD besitzt Eckstein eine ziemlich ungewöhnliche Spezialität:
Schneemänner.
Für sein Buch „The History of the Snowman“ recherchierte er jahrelang zur Kulturgeschichte des Schneemanns und bezeichnet sich augenzwinkernd selbst als führenden Schneemann-Experten der Welt.
Noch erfolgreicher wurde sein 2016 erschienenes Buch „Footnotes from the World’s Greatest Bookstores“, in dem er berühmte Buchhandlungen aus aller Welt zeichnete und ihre Geschichten erzählte. Das Buch wurde ein New-York-Times-Bestseller. Später folgte unter anderem ein ähnliches Projekt über außergewöhnliche Museen.
Ausgezeichneter Cartoonist
Eckstein wurde zweimal von der National Cartoonists Society als Kandidat für den Titel „Gag Cartoonist of the Year“ nominiert. Seine Arbeiten wurden außerdem unter anderem im Cartoon Art Museum in San Francisco, im Smithsonian und im Cartoon Museum in London gezeigt.
Heute arbeitet er weiterhin als Cartoonist, Autor und Illustrator und unterrichtete beziehungsweise unterrichtet Zeichnen und Schreiben unter anderem an der New York University, dem Pratt Institute und der School of Visual Arts.
Ein moderner Teil der „Usual Gang of Idiots“
Bob Eckstein gehört nicht zu den klassischen MAD-Legenden der 1950er-, 60er- oder 70er-Jahre. Seine Arbeiten stehen vielmehr für die spätere Entwicklung des Magazins: kürzere Cartoons, aktuelle Medienkultur, soziale Netzwerke und schnelle Pointen.
Gerade deshalb gehört auch er zur langen Geschichte der „Usual Gang of Idiots“.
Und dass ein Mann gleichzeitig New-Yorker-Cartoonist, MAD-Mitarbeiter und Schneemann-Experte sein kann, dürfte vermutlich sogar Alfred E. Neumann gefallen.


