Antonio Prohías – der Mann hinter „Spion & Spion“

LEXIKON

Alfred E. Neumann

8/6/20263 min read

Und kurz darauf war ein Stück MAD-Geschichte geboren.

Die Geburt von „Spy vs. Spy“

Die erste Folge von „Spy vs. Spy“ erschien in MAD Nr. 60 vom Januar 1961.

Das Konzept war ebenso einfach wie genial: Zwei nahezu identische Spione bekämpfen sich ohne Pause. Der eine trägt Weiß, der andere Schwarz. Beide versuchen, ihren Gegner mit Bomben, Fallen, Waffen und absurden Erfindungen auszutricksen.

Mal gewinnt der weiße Spion.

Mal der schwarze.

Und manchmal verlieren beide.

Gerade weil die Geschichten fast vollständig ohne Worte funktionierten, konnten sie überall auf der Welt verstanden werden. Für die internationalen MAD-Ausgaben war das perfekt.

Der Kalte Krieg als schwarzer Humor

Hinter dem Slapstick steckte durchaus politische Satire.

Die beiden Spione verkörperten die absurde Logik des Kalten Krieges: Jeder misstraut jedem, jede Aktion löst eine Gegenaktion aus und keiner kann den anderen endgültig besiegen.

Damit war „Spion & Spion“ gleichzeitig alberner Cartoon und erstaunlich treffende Parodie auf Spionage, Wettrüsten und politische Paranoia.

Dass die beiden Figuren bis heute funktionieren, zeigt, wie zeitlos Prohías' Grundidee war.

Mehr als 240 Folgen

Antonio Prohías zeichnete seine berühmten Spione über mehr als 25 Jahre hinweg. Bis zu seinem Rückzug Ende der 1980er-Jahre entstanden mehr als 240 Folgen. Seine letzte reguläre Folge erschien 1987.

Danach wurde „Spy vs. Spy“ von anderen MAD-Künstlern weitergeführt, darunter Bob Clarke, Dave Manak und später Peter Kuper.

Doch das unverwechselbare Grunddesign blieb immer das von Antonio Prohías.

Eine kleine Besonderheit

Neben dem schwarzen und dem weißen Spion führte Prohías zeitweise noch eine dritte Figur ein:

die Graue Spionin.

Sie erschien erstmals 1962 und verstand es regelmäßig, beide männlichen Spione auszutricksen. Das Problem war nur: Dadurch wurde das Ergebnis irgendwann zu vorhersehbar – also verschwand sie wieder weitgehend aus der Serie.

Typisch MAD.

Antonio Prohías und die „Usual Gang of Idiots“

Prohías gehörte bald fest zur legendären „Usual Gang of Idiots“, der MAD-Truppe aus Zeichnern und Autoren.

Eine schöne Verbindung besteht auch zu Sergio Aragonés: Als Aragonés später bei MAD vorsprach, versuchte Prohías sogar, für ihn zu übersetzen. Da Prohías selbst nie besonders gut Englisch lernte, führte das offenbar zu einiger Verwirrung in der Redaktion.

Für seine eigenen Comics war das allerdings kaum ein Problem.

Seine Bilder mussten ohnehin keine Sprache sprechen.

Tod und Vermächtnis

Antonio Prohías starb am 24. Februar 1998 im Alter von 77 Jahren an Krebs.

Seine Figuren aber leben weiter.

„Spion & Spion“ erschien in Comics, Fernsehserien, Computerspielen, Brettspielen, Werbespots und auf zahllosen MAD-Produkten. Die beiden Spitznasen gehören heute neben Alfred E. Neumann zu den bekanntesten Symbolfiguren der gesamten MAD-Geschichte.

Und das alles begann mit einem kubanischen Zeichner, der kaum Englisch sprach und eines Tages einfach mit seinen Zeichnungen in der MAD-Redaktion auftauchte.

Kaum eine MAD-Serie ist so sofort erkennbar wie „Spy vs. Spy“, in Deutschland besser bekannt als „Spion & Spion“: zwei langnasige Geheimagenten, einer in Schwarz, einer in Weiß, die sich mit immer raffinierteren Fallen gegenseitig ausschalten wollen.

Der Schöpfer dieser beiden Kultfiguren war der kubanische Zeichner Antonio Prohías.

Vom politischen Karikaturisten zum MAD-Künstler

Antonio Prohías wurde am 17. Januar 1921 in Cienfuegos auf Kuba geboren. Bereits in seiner Heimat arbeitete er erfolgreich als Cartoonist und politischer Karikaturist. Seine kritischen Zeichnungen brachten ihn nach der kubanischen Revolution jedoch zunehmend in Schwierigkeiten. Nachdem er sogar beschuldigt worden war, für die CIA zu arbeiten, verließ er Kuba 1960 und ging in die Vereinigten Staaten.

Da Prohías kaum Englisch sprach, war seine Situation zunächst schwierig. Schließlich ging er – begleitet von seiner Tochter als Übersetzerin – einfach in die New Yorker Redaktion von MAD und zeigte dort seine Zeichnungen.

Die Redaktion kaufte seine ersten Arbeiten.