Anton Emdin – ein Kindheitstraum wird MAD
LEXIKON
Alfred E. Neumann
8/14/20262 min read


Anton Emdin gehört zu den auffälligsten MAD-Zeichnern der jüngeren Generation. Der australische Illustrator und Cartoonist wurde am 2. April 1976 geboren und arbeitet seit Mitte der 1990er-Jahre professionell als Zeichner. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in Rolling Stone, GQ, The Spectator und natürlich in MAD.
Mit MAD aufgewachsen
Besonders schön an Emdins Geschichte ist, dass MAD für ihn schon lange vor seiner eigenen Mitarbeit eine große Rolle spielte. Er erzählt selbst, dass sein Vater MAD sammelte und er die Hefte schon betrachtete, bevor er überhaupt lesen konnte.
Später erfüllte er sich tatsächlich seinen Kindheitstraum und wurde selbst Teil der „Usual Gang of Idiots“. Auf seiner eigenen Website beschreibt Emdin, dass er bei MAD von Künstlern wie Sam Viviano betreut wurde und mit seinen Arbeiten bewusst an den klassischen MAD-Stil anknüpfen wollte.
Von kleinen Gags bis zu großen Parodien
Sein erster auf der MAD Cover Site verzeichneter Beitrag für das amerikanische MAD erschien in MAD Nr. 506 vom Dezember 2010. Danach folgten zahlreiche Illustrationen für die „Fundalini Pages“, Jahresrückblicke und aktuelle Satiren.
Ein besonderer Höhepunkt kam 2012: Emdin erhielt von MAD-Art-Director Sam Viviano den Auftrag, eine achtseitige Filmparodie zu zeichnen.
Das Thema war Twilight.
MAD machte daraus natürlich:
„The Toilet Saga“
Für Emdin war das eine besondere Herausforderung, denn große Filmparodien waren zuvor von Legenden wie Mort Drucker, Jack Davis oder Angelo Torres geprägt worden. In seinem eigenen Rückblick beschreibt er entsprechend deutlich, wie außergewöhnlich dieser Auftrag für ihn war.
Von „Minions“ bis „The Good Place“
Emdins MAD-Arbeiten decken eine bemerkenswerte Bandbreite ab. Er zeichnete unter anderem Beiträge zu:
The Avengers
Twilight
Kim Kardashian
Edward Snowden
WrestleMania
Luke Skywalker
Minions
Ronda Rousey
Donald Trump
Fantastic Beasts
The Good Place
Noch 2020 ist er mit einer Arbeit über Lizzo in MAD nachweisbar.
Damit gehört Emdin zu den Künstlern, die sowohl die letzten Jahre der New Yorker MAD-Redaktion als auch die spätere Phase des Magazins begleiteten.
Ein vielfach ausgezeichneter Cartoonist
Auch außerhalb von MAD ist Emdin erfolgreich. Die Australian Cartoonists’ Association zeichnete ihn mehrfach aus, unter anderem als Cartoonist of the Year und mehrfach als Illustrator of the Year. Hinzu kamen mehrere Auszeichnungen der amerikanischen National Cartoonists Society für Magazinillustrationen.
Sein Stil verbindet klassische Karikatur mit detailreicher Illustration. Gerade berühmte Gesichter und Popkulturfiguren werden bei ihm stark überzeichnet, bleiben aber sofort erkennbar – eine Fähigkeit, die für MAD nahezu ideal ist.
Ein moderner Vertreter der „Usual Gang of Idiots“
Anton Emdin gehört nicht zur klassischen MAD-Generation um Kurtzman und Feldstein. Aber gerade deshalb ist er für die Geschichte des Magazins interessant.
Er zeigt, dass der typische MAD-Stil auch Jahrzehnte später weiterleben konnte: respektlos, detailverliebt, grotesk und gleichzeitig technisch hervorragend gezeichnet.
Und kaum etwas könnte besser zu MAD passen als ein Junge, der die Hefte seines Vaters verschlang – und Jahrzehnte später selbst darin zeichnete.
